Traumprinz in der Toskana

Klaus wird kreidebleich und verstummt als wir an der roten Ampel in La Spezia stehen. Die Stimmung ist bedrückend und ich bin auf einen heftigen Gefühlsausbruch gefasst und auch darauf, dass er mich rüde aus dem Auto wirft. Doch Klaus hat sich unter Kontrolle, fährt bei grün an und weiter, wie geplant nach Cinque Terre. Lange bleibt er stumm und ich wage auch keinen Ton von mir zu geben, damit die prekäre Lage nicht vollends eskaliert.

Ich hatte Klaus im Internet kennengelernt. Sein erstes Mail, sein Profil, seine Fotos, alles war ansprechend, interessant, nett. Da war auf dieser Plattform endlich ein Mann aufgetaucht, der hochintelligent, witzig, feinfühlig, herzlich und höflich zu sein schien, einer, der durch viele unterschiedliche Erfahrungen zu einer gereiften Persönlichkeit geworden war, mit beiden Beinen am Boden stand und auch eine Verbindung zum Himmel hatte. Klaus konnte wunderbare Emails schreiben und mich dabei in seine Welt, sein Denken, Fühlen und Tun eintauchen lassen. Dieser Mann hatte es gewagt seine Zelte abzubrechen, um in der Toskana ganz neu anzufangen. Ich glaube, wir hatten uns durch die vielen und langen Mails nicht nur ganz gut kennengelernt, sondern auch ganz ordentlich ineinander verliebt.

Am 27. Dezember, einem strahlend schönen Tag, machte ich mich auf den 800km langen Weg in die Toskana, voll Vorfreude, Aufregung, Unsicherheit und in gespannter Erwartung. Auf den Autobahnen war ich fast allein unterwegs und musste mich immer wieder bewusst zur Konzentration zurückrufen, da ich im Gedanken schon in der Toskana war und Bilder in meinen Kopf auftauchten, wie unsere 1. Begegnung ausfallen würde. Nach einigen kurzen Stopps mit unvergleichlichen Cappuccini, traf ich am Nachmittag bei seinem Rustico ein. Klaus kam mir über das ganze Gesicht strahlend mit einem großen Blumenstrauß entgegen. Er hatte alles für mich liebevoll gerichtet, das alte Steinhaus, mein Zimmer, das Essen. Das Land ringsum mit Blick aufs Meer und den Apennin zeigte sich in der untergehenden Sonne in den schönsten Farben.

Klaus war wirklich liebenswürdig, lustig, aufgekratzt und offenbar bereit, mich auf Händen zu tragen, aber in mir hatte sich ein Gefühl von Enttäuschung breitgemacht. Mein Herz hatte nicht höhergeschlagen. Vielleicht lag es an meiner Müdigkeit nach der langen Fahrt, dachte ich und morgen schaut alles ganz anders aus? Nach dem, von einem sehr gut gelaunten Klaus gerichteten ausgiebigen, schönen Frühstück, brachen wir tags darauf zu dem verabredeten Ausflug ans Meer auf.

Aber an meinen Gefühlen hatte sich nichts geändert, da war kein brennender Funke, keine Begeisterung, keine wirkliche Anziehung, nur Sympathie. Als Klaus nun auf der Fahrt begann, im 7.Himmel schwebend nicht nur Pläne für die nächsten Tage zu machen, musste ich es ihm gestehen. Meine Eröffnung schlug ein wie eine Bombe. Beide fühlten wir uns danach so elend, dass ich am nächsten Tag wieder nach Hause aufbrach.

© Doro