Vorbilder, Idole, Lichtgestalten

Vorbilder und Idole spielen in unser aller Leben eine wesentliche Rolle. Sie beeinflussen uns, prägen uns und motivieren uns, anfangs die Eltern, dann die Stars aus der Glitzer- Sport- oder Musikwelt. Wir orientieren uns an ihrem Aussehen, ihrem Können, ihrem Wissen.

Aber da gibt es auch noch diese ganz besonderen Menschen, die durch ihr Charisma, ihre Persönlichkeit, ihre Haltung, ihre Werte, ihre Art das Leben zu meistern für uns zum Vorbild und Idol werden. Ich nenne diese herausragenden Menschen Lichtgestalten. Sie können anderen Menschen nicht nur Trost und Mut, sondern auch Ideen und Hoffnung schenken.

Meine wichtigen Lichtgestalten sind Nelson Mandela, der für seine Überzeugung und die Überwindung des brutalen Apartheidregimes über viele Jahre einstand, sein persönliches Glück der großen Idee unterstellte und sich durch nichts und niemanden in die Knie zwingen ließ. Natürlich gehört zu diesen Menschen auch ein Gandhi, der die große friedliche Revolution schaffte oder ein Martin Luther King in den USA, der mit seinem Einsatz die Rechte der Afroamerikaner installieren half.

Aber die für mich absolut bedeutsamste Lichtgestalt, die mir auch in meinem persönlichen Leben, wenn der Schmerz übermächtig war und sich Abgründe auftaten, als Vorbild und Idol diente und dient, ist Viktor Frankl, der 1905 in Wien geborene Psychiater und Begründer der Logotherapie.

Gestoßen bin ich vor vielen Jahren auf diesen für mich so bedeutsamen Menschen durch sein Buch „…trotzdem ja zum Leben sagen: Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager“, worin er seine Erlebnisse im KZ beschreibt.

1942 wurde er, nachdem er gerade erst geheiratet hatte, zusammen mit seiner schwangeren Frau und seinen Eltern ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort starb ein Jahr später sein Vater, während seine Mutter in Auschwitz ermordet wurde und seine Frau im KZ Bergen-Belsen.

Er erlebt all die Gräuel des KZ, die Abgründe die sich bei seinen Mitgefangenen auftun, die Brutalität der Wärter, später auch noch in Auschwitz und Dachau. Anstatt an all dem Furchtbaren zu zerbrechen oder auf Vergeltung zu sinnen, setzt er sich für Versöhnung ein.

Seine zentrale Botschaft ist, dass das Leben auch unter schrecklichsten Bedingungen einen Sinn hat und man diesen sehen muss. Sein Sinn, der ihn durch diese Terrorzeit trug, war die Idee, dass er Vorlesungen über diese Lagerzeit halten und über die Auswirkungen auf die menschliche Psyche reden wird.

Er blieb sich und seinen Werten stets treu. Sein Credo, dass Leid zwar nicht vermeidbar ist, man aber die Wahl hat, wie man damit umgeht, einen Sinn in der eigenen Existenz finden muss und einem Ziel folgen, trägt mich durchs Leben. Viktor Frankl ist mein Leuchtstern, wenn es in mir und um mich dunkel wird; er relativiert meinen Schmerz, meine Trauer, mein Leid, ruft mich innerlich zur Ordnung und entzündet aufs Neue mein Licht, wenn ich mich schwach und elend fühle. Sein Licht ist 92-jährig verloschen.

© Doro