Das Buch. Eine Liebeserklärung.

Wenn ich gefragt werde, was ich so mache, zucke ich mit den Achseln und antworte, dass ich es eigentlich selbst nicht so richtig weiß. Ich schreibe Texte und Reportagen und Bücher, ich bin ein Verleger und arbeite ab und zu bei internationalen Sportevents, bei Olympischen Spielen oder Fußball-Europameisterschaften beispielsweise, im Bereich des Medien-Managements.

Doch nicht das WAS ist mir wichtig, sondern das WIESO. Wieso schreibe ich? Wieso verlege ich Bücher? Das Wieso gibt um so viel mehr Aufschluss als andere Fragewörter.

Wieso, also, das Buch?!

Ich schätze, ja: verehre, das Buch. Es war meine Jugendliebe, sie ist mir nie untreu geworden, war immer für mich da. Und wenn ich mit einem Werk fertig war, lag schon das nächste da, um aufgeschlagen, durchgeblättert, gelesen, aufgesaugt zu werden. Die gesammelten Werke von Karl May, die Sagen der Griechen, Römer, Nibelungen wanderten durch meine Hände und wurden Teil von mir, so sehr, dass ich mich heute noch, 35 Jahre später, mit meiner Schwester freundschaftlich um die Bücher unserer Jugend streite. "Dieses gehört mir." "Nein mir." "Nein mir." Es sind Momente, in denen die Zeit stehen geblieben scheint, und es sind Momente, in denen ich realisiere, wie sehr ich meine Gefährten der Vergangenheit in Ehren halte.

Die Bücher wurden erwachsen und ich mit ihnen. Heute besteht meine Blibliothek vorrangig aus Sportbüchern, in denen es um Boxen oder Skispringen, Baseball oder Formel 1, Fußball oder Radsport geht. Mein umfassendes Interesse für Sport wird von meinen Buchregalen reflektiert.

Wieso schreibe und verlege ich hauptsächlich Sport? Weil es meine Welt ist, weil ich mich in ihr geborgen fühle, weil ich es mag und auch kann. Vom Sportredakteur einer Bozner Lokalzeitung und der "Salzburger Nachrichten" habe ich mich weiterentwickelt zum Autor und Verleger. Herausforderungen, Schwierigkeiten, aber auch Glücksmomente haben mein letztes Jahrzehnt geprägt.

Weihnachten steht vor der Tür, die wichtigste Zeit für den Buchhandel, denn das Buch ist immer noch eines der beliebtesten Präsente auf dem Gabentisch. "Ich wüsste nicht, wem ich eines deiner Bücher schenken könnte", höre ich nicht oft, aber zuweilen doch auch. "Das tut nichts zur Sache", antworte ich dann, "wichtig ist nur, dass du ein Buch schenkst, dass gelesen wird, dass das Kopfkino für Große und Kleine in Gang gesetzt wird. Lesen bildet. Lesen erweitert den Horizont. Lesen gehört zum Schönsten, das ich mir vorstellen kann."

Es gibt viel zu viele Bücher, die verlegt und verbreitet werden, zuweilen werde ich vor tausenden Büchern in Großbuchhandlungen depressiv und verletzlich. Nicht einmal in der Nische des Sports genieße ich Artenschutz, und die Konkurrenz an Lektüre ist schier übermächtig. Doch dann besinne ich mich auf das Wesentliche: Wichtig ist, dass Bücher gekauft und konsumiert werden, meinetwegen auch als eBooks.

Deswegen, welche nun auch immer: Kauft Bücher! Verschenkt Bücher! Lest Bücher!

© Egon Theiner