Ein Lauf-Erlebnis, drei Tage lang

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Tour de Tirol, das klingt ein bisschen viel nach Tour de France, auch wenn die radsportliche Großveranstaltung länger, härter und prominenter ist. Doch auch der Dreitages-Event in und um Söll am Wilden Kaiser hat sich einen Namen gemacht!

Die Tour de Tirol ist ein Erlebnis der besonderen Art. Sie beginnt Freitagabend mit einem Zehn-Kilometer-Lauf, und wer sich jetzt denkt, „ohnehin nur zehn Kilometer“, dem sei ergänzend mitgeteilt: mit knapp 300 Höhenmetern. Dann sieht die Sache schon ein klein wenig anders aus. Spaßig ist es dennoch. Ich nahm mir ein lockeres Einlaufen vor, traf am Start erwartungsgemäß die Wiener ULT-Vereinskollegen Anne, Gabriele und Erwin und auch Sofia, deren Begleiterin. Wir laufen einen Sechser-Schnitt, lautete unsere Devise. Na ja. Letztlich hatte es jeder/jede etwas eilig, und unter einer Stunde zu bleiben hatte einen gewissen leistungssportlichen Ansatz.

42 km, 2345 Höhenmeter standen am Samstag beim Kaisermarathon auf dem Programm. Mein Plan war klar, ich wollte die Finish Line auf der Hohen Salve unter sieben Stunden, also vor dem offiziellen Zielschluss, erreichen. Dies bedeutete eine Pace von 10 min/km und mit dieser Arithmetik vor Augen lief ich los. Die ersten zwölf Kilometer blieb ich unter meiner Vorgabe, fleißig addierte ich Minute um Minute auf meinem Haben-Konto. Es ging über Asphalt und Schotter, die Wege wurden immer wieder nur kurz von Trails abgelöst.

Ob Hochleistungs- oder Hobbysportler, bei der Tour de Tirol kommt jeder auf seine Kosten. Die freiwilligen Helfer an den Labestationen feuerten die Ersten genauso euphorisch an wie die Letzten, Bergretter und Sanitäter munterten entlang der Strecke auf, und auch die vielen Wanderer und Spaziergänger blieben stehen und jubelten den Teilnehmern und Teilnehmerinnen zu. Allein die wenigen Meter in der „Tanzbodenalm“, bei dem über die Terrasse der Gaststätte gelaufen wird, machten den Kaisermarathon zu einem Erlebnis!

Die letzte Wegstrecke ist dann etwas fies an der Hohen Salve. Du siehst das Ziel von unten, musst aber um den Berg herumlaufen und den letzten Kilometer von der anderen Seite in Angriff nehmen. Dann fehlen noch 195 m, sie verlaufen größtenteils eben, ehe es den Zielkanal hinauf geht. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich, dass ich meine Vorgaben schaffen würde. Die Ergebnisliste wies mich mit 6:58,12 Stunden aus.

Es nieselte, als am Sonntag der Startschuss zum Pölven Trail fiel, doch mehr wurde es nicht. Die 23 km lange Strecke führte über sehr wenig Asphalt und Schotter und fast ausschließlich über Trails. Mir ging das Herz auf. Nachdem ich ein wenig Sicherheit in den Bergab-Passagen gewonnen hatte, stürzte ich mich jeden Hang hinunter.

Der Pölven Trail wurde zu einem meiner schönsten Lauf-Erlebnisse. So muss Trail! In 3:40,53 Stunden war ich im Ziel und wurde von meiner Frau umarmt. „So früh hab ich dich nicht erwartet“, sagte sie. „Ich mich auch nicht“, antwortete ich.

Die Tour de Tirol sieht mich sicher wieder!

© Egon Theiner