Herbst, was nun?

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momentan war die Luft zum Ersticken, dabei hatten wir riesiges Glück mit unserem Hohen Heim (wie wir das immer nannten wenn nicht gerade der Lift ausfiel) in diesem recht großen Park:

die Terrassen und Balkone rund um uns sind alle begrünt, sogar die Hauswand immerhin in den untersten 10 Stockwerken, man fühlt sich wie über einem antiken Garten und es gibt sogar wie in den Loire Schlössern etliche Gemeinschaftsgärten und City Guerilla Gardening Hochbeete mit Gemüse für die AnwohnerInnen.

meine Tochter und ich saßen hoch darüber auf unserem Balkon und rätselten über Begrünung:

"Laubbäume machen zwar im Herbst mit abgefallenen Blättern viel Mist, aber dafür scheint im Winter die Sonne durch wie in einem Kleingarten, in dem noch nicht alle Bäume umgebracht wurden", sagte sie.

(das Kleingartengesetz erlaubt beliebiges Schlächtern pardon Schlägern aller Bäume, die dort "stocken", ohne Kontrolle oder Gutachten durch die Stadtgärtnerei)

"wusstest Du, dass in Parks und Privatgärten völlig zurecht drastische Strafen verhängt werden, wenn jemand unerlaubt gesunde Bäume abholzt?"

(ja, wusste ich: es darf vermutet werden dass wegen der skurrilen Wortwahl des "Stockens" - das Wort "Fällen" kommt nicht vor - noch niemand auf die Idee gekommen ist, sich das Kleingartengesetz und die obskure Einstellung zu Bäumen dort anzusehen und eine Novellierung anzugehen)

"gut, dass hier niemand mit Holz heizt", lachte ich, "sonst hätten wir hier nur eine Staubwüste oder einen Golfrasen."

wir haben sogar einige Nadelbäume unten im Park, nicht nur die Laubbäume auf den Dachterrassen, denn unser Turm ist ein Passivhaus mit Solarwasser und (südseitig) selbst montierter Photovoltaik für die 12 Volt Kleingeräte: bei Sonnenschein läuft sogar die Waschmaschine solar, mit einem einfachen Umschalter.

was dann noch an Heizung gebraucht wird, erledigt teilweise die elektrische Nachtspeicherheizung, oder der Thermostat schaltet notfalls auf die Gasheizung um wenn gerade kein Nachtstrom läuft:

für das Verwenden von Gas gibt es ja (anders als bei Erdöl) den Vernunftgrund, dass es bei Erdbeben leicht entweicht, explodiert, thermoklastische Ströme verstärkt oder mit der Erderwärmung aus dem Permafrostboden strömt.

da ist schon was dran, und CO2 Abgase sind weniger schädliches Treibhausgas als Methan oder andere Komponenten von Erdgas. (das heisst nicht, dass CO2 kein Problem wäre, sondern dass unverbrannte Erdgase noch viel mehr Problem sind)

und doch:

"Gas sollte aber nur in Müllverbrennungen oder Kraftwerken laufen, möglichst nahe an der Gasförderung zwecks Minimierung von Transportwegen & Pipelines", kritisierte meine Tochter.

(stimmt: Müllverbrennung ist nicht immer vermeidbar, wenn es nicht laufend neue Virenschleudern geben soll, und Energie transportiert man besser (fast) verlustfrei als Elektronen in Stromleitungen aber nicht als Öl oder Gas in Pipelines)

aber was interessieren uns schon Golfstrom & Klimakrise?

© einkleinesgeschichtchen 16.09.2020