Ein (fast) ganz normaler Morgen

Es war der Nebel der heute Morgen die Berge mit einem Schleier überzog. Es schien so als wolle er, deren majestätische Erscheinung vor unseren Blicken schützen. Die Sonne wartete dahinter geduldig auf ihren Auftritt. Leichter Sprühregen prasselte lautlos auf die asphaltierten Straßen und benetzte sehnsüchtig wartende Felder mit Wasser. Ich lag, tief im Schlaf versunken, bis unter die Nasenspitze zugedeckt, in meinem Bett.

Selten waren meine Träume von solcher Intensität und Realität wie an diesem Morgen. Zum fünften Mal weigerte ich mich, dem Ruf meines Weckers zu folgen und aufzustehen. Zum fünften Mal versuchte ich meinen schlaftrunken Verstand zu motivieren. Doch ich scheiterte. Immer wieder aufs Neue.

Nach schier endlosem Ringen stand ich dann nackt vor meinem Spiegel. Abgestützt auf meine Hände, um die Kontrolle über meinen Gleichgewichtssinn nicht zu verlieren. Mein Spiegelbild bestätigte mir die traurige Gewissheit. „Du schaust verheerend aus“, schien es mir zu sagen. Ich fühlte mich gekränkt angesichts dieser schonungslosen Ehrlichkeit. Versuchte aber mein beleidigtes Gesicht hinter einer fröhlichen Grimasse zu verbergen. Doch ein hartnäckiger Polsterabdruck unter meinem rechten Auge hinderte mich daran.

Meine Wanduhr schien mich mit ihrem unablässigen „Tick Tack“ förmlich aus der Wohnung vertreiben zu wollen. Doch ich lies mich nicht beirren. Ohne Kaffee geht um diese Zeit nichts. Hecktisch, angesichts der Verspätung, kramte ich nach einem Kaffeefilter. Ein Glas Honig, fiel dabei aus dem Kasten und mir direkt auf den Fuß. Ich schrie einen unterdrückten Wutanfall in ein Geschirrtuch, das ich mir zwischen die Zähne gepresste hatte, um die Nachbarn nicht zu wecken. Die Lust auf eine heiße Tasse Kaffee war mir nun vergangen.

Ich schnappte mir Hose und T-Shirt vom Vortag, schlüpfte in eine Jacke und ging zur Tür hinaus. Vier Stockwerke hatte ich nach unten zu bewältigen. Auf den Fahrstuhl zu warten hätte zu lange gedauert. Jeweils zwei Stufen überspringend hüpfte ich im Eiltempo nach unten. Ein kleiner Trittfehler im letzten Treppenabschnitt, wäre mir beinahe zum Verhängnis geworden. Ich konnte ihn jedoch geschickt korrigieren.

Ich sprintete Richtung Parkplatz. Mein Herz pochte derart stark, dass ich Angst hatte es würde mir die Augen aus dem Kopf drücken. Plötzlich hörte ich hinter mir eine vertraute Stimme. Ich hielt an. Es war meine Oma die hinter mir stand und mit fragendem Blick sagte: „Du weißt aber scho, dass heute Staatsfeiertag is. Oda?“

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