Daumen hoch

Seit ein paar Monaten nehmen wir, das sind Gabi mit ihrer Dobermännin Lilly und ich mit meiner bayerischen Gebirgsschweißhündin Gina, Anteil an der bevorstehenden Paarungsgeschichte zwischen reinrassigen irischen Settern. Der Rüde im besten Alter zeigte bisher jedoch keinerlei Interesse an weiblichen Vierbeinern. Sogar die große Auswahl hier auf unserer Hundewiese bringen seinen Hormonhaushalt bisher nicht ins Schwanken. Sein Frauchen wirkt langsam besorgt. Denn, wenn es zur Deckung kam, konnte er ohne Übung wissen, wie er sich dabei zu verhalten hatte? Die für die Paarung auserkorene Hündin lebte schließlich einige hundert Kilometer von ihm entfernt. Es wäre also zu hoffen, dass alles beim ersten Mal klappt.

Bis zu deren Läufigkeit hielten die Hundebesitzer jedenfalls regen Kontakt. In der Vorfreude auf die künftige Vereinigung wurden viele Fotos auf elektronischem Wege hin- und hergeschickt. Die Sympathie zwischen den Menschen war auf jeden Fall vorhanden. Ob sich die beiden Hunde später würden riechen können, war eine andere Sache. Wir erfuhren, dass es kurz nach Weinachten soweit sein sollte. Das erste Treffen der zukünftigen Hundeeltern war vereinbart worden. Wir hielten schon mal die Daumen.

Anfang des Jahres wollten Gabi und ich uns mal wieder auf der Hundewiese treffen, damit sich unsere Fellnasen beim Spielen austoben konnten. Als wir eben die zweite Außenrunde drehten, blieben unsere Hündinnen stehen, ihre Köpfe Richtung Eingang erhoben. Ein kastanienbrauner elegant einlaufender Hund war gekommen. Es schien der Setterrüde zu sein. Ich kenne keinen zweiten Hund, der sich so edel und hoch erhobenen Hauptes auf der Hundewiese bewegt. Lilly und Gina machten sich auf den Weg, um ihn mit ihren Nasen zu begrüßen. Wir waren neugierig und gespannt, was sich Ende des Jahres beim Treffen der Setter ergeben hatte. Und gingen seinem Frauchen entgegen, das sich offensichtlich schon freute, uns von der Liebesgeschichte zu erzählen.

Die Besitzer der Hündin waren den weiten Weg angereist und es folgte der Tag des Kennenlernens. Die Hündin war vom ersten Augenblick an bereit für den Akt. Indem sie ihm immer wieder ihr Hinterteil unter seine Nase hielt, bot sie sich dem Rüden an. Er jedoch ließ sich Zeit. Umtänzelte sie, beschnupperte sie, stupste sie mit der Nase und knabberte zärtlich an ihr. Sein Frauchen wusste, es waren Bussis und er machte der Hündin den Hof. Was für ein Charmeur! Wir waren hingerissen von seinem Verhalten. Aus Frauensicht gesehen fanden wir es reizend, dass der Rüde sich so galant verhielt, sich zurückhielt. Direkt romantisch, wenn man das hörte. Auf unsere Frage, ob es denn am nächsten Tag zu der erwarteten Vereinigung gekommen sei, nickte die Hundehalterin stolz. Ja, das war es! Ihr Rüde wusste genau, was zu tun war. Der Akt an sich dauerte über 20 Minuten.

Es bleibt nun abzuwarten, ob die Paarung auch Welpenfrüchte tragen wird. Gabi und ich halten jedenfalls wieder die Daumen.

© Elis-Katha