Die erste Fahrt mit Führerschein

Aufregend. Herzklopfen. Kein Fahrlehrer neben mir. Für den Notfall. Der bremst, wenn's knapp wird. Natürlich fehlt mir noch die Fahrpraxis. Des vorausschauenden Fahrens.

Damals hatten wir nicht so viele Fahrstunden wie die heutige Jugend. Deren Eltern mit ihnen abends und am Wochenende mit L17-Taferln rumkurven. Und der Führerschein kostete was. Vom selbst verdienten Geld bezahlt. Darauf war ich schon stolz. Unabhängigkeit.

Und nun die Freiheit, selber zu steuern. Wohin ich will! Mein damaliger Chef lieh mir das Firmenauto. Er hatte mich auch angespornt, den Führerschein zu machen. Nachdem ich beim ersten Mal bestanden hatte, erstattete er mir die Kosten.

Nun durfte ich also erstmalig im ungewohnten, aber handlichen Auto durch die Stadt Richtung heimwärts fahren. Anstatt wie sonst üblich mit dem Bus. Es war etwas mühsam. Der Motor starb entweder ab oder ich kam nur gaaanz langsam von jedem Stopp an der Ampel weg. Kein Wunder. Wenn man mit dem dritten Gang losfährt. Und ich musste ja die Augen nach vorne richten.

Ich brauchte bei dieser ersten Fahrt aus der Maxglaner Gegend ziemlich lange bis nach Elixhausen. Benutzte nicht die Autobahn. Davon hatte mir mein Fahrlehrer abgeraten. Also, dass ich die erste Zeit des selbständigen Fahrens bloß von der Autobahn wegbliebe!

Dazu muss ich sagen, das war mein zweiter Fahrlehrer. Dieser schüttelte auch während meiner Prüfungsfahrt des öfteren den Kopf. Verdrehte die Augen, während des Einparkens. Sehr demotivierend für mich. Ein guter Einparker bin ich nie geworden. Ich kann einfach so schwer abschätzen, ob der Platz zwischen zwei Autos wirklich ausreicht. Für mein Fahrzeug.

Leider wurde der vorherige Fahrlehrer krank und konnte mich nicht bis zur Prüfung begleiten. Der hatte die Ruhe weg mit mir. Lobte mich von der ersten Fahrstunde an. Seiner Meinung nach hatte ich viel Gefühl für's Fahren. Bei ihm war ich auch nie so nervös. Mit ihm hätte ich in den restlichen Fahrstunden mehr Sicherheit gewonnen. Egal.

Endlich war ich in Elixhausen angekommen. Kurze Begrüßung und die Frage an meinen jüngeren Bruder, ob wir zusammen eine Ausfahrt machen wollen. Na sicher! Autofreak sozusagen. Wollte natürlich Automechaniker werden. Und hat von meinem Fahrrad weg über Walkman bis hin zu meinem Moped schließlich gut üben können. Wie man etwas zerlegt und wieder in Gang bringt. Meist ist es gelungen.

Jedenfalls fuhren wir den Voggenberg hinauf, Richtung Windinggut. Von dort oben hat man eine tolle Aussicht. Man muss halt beim Einparken aufpassen, wo man hält bzw. die Handbremse fest anziehen. Vor allem, wenn man, so wie ich beim ersten Mal, zu nahe an den Abgrund fährt. Denn, als wir wieder wegfahren wollten, ging es rückwärts nicht mehr raus. Vorne drehten die Reifen durch. Hinten rauchte es. Ich schwitzte.

Da kamen die Hausbewohner. Erkannten meine Not bzw. Unfähigkeit. Der Mann bat seine schwangere Frau ans Steuer. Wir halfen beim Schieben. Was habe ich mich damals geschämt! Aber danke!

© Elis-Katha