Eine Begegnung von vielen

Mit Hund lernt man Menschen kennen. Ohne natürlich auch. Aber mit Hund ist es anders. Da hat man gleich etwas gemeinsam. Die Liebe zur Fellnase. Meine beste Freundin meinte nämlich, dass es etwas schwierig sein könnte. Für den nächsten Mann. Schließlich schlief meine Hündin bei mir. Ja! Im Bett. Bei den Füßen. Und ob das dem Mann gefallen würde? Für mich war klar, dass derjenige Hunde mögen musste. Und meine Kinder. Sonst wäre da von Haus aus keine Chance. Bei mir.

Ich empfand mich vor dieser Begegnung als zufriedener Mensch. Hatte mein Leben wieder gut im Griff. In der Symbiose mit Kindern und Hund. Ließ das Leben auf mich zukommen. War dabei, mich von einem Lebensabschnitt davor zu verabschieden. Mich frei und leichter zu machen. Entrümpelte, sortierte Gegenstände aus. Verschenkte Dinge weiter. Behielt nur, was ich gern um mich hatte. Nicht, um Erinnerungen fortzujagen, denn sie sind Teil von mir. Dürfen ihren Platz haben. Ich schaffte unbewusst Raum. Fühlte mich bereit und reif. Für jemanden, der noch gar nicht in Erscheinung getreten war.

Dagegen hatte er mich ein Jahr zuvor schon bemerkt. Auf einer Hundewiese. Sich darüber amüsiert, wenn meine Hündin eine Wasserschüssel schnappte und sie ins Gelände verschleppte. Er beobachtete mich nur von weitem. Spürte förmlich meine Unnahbarkeit. Eingehüllt in meinen Schutzpanzer hielt ich ihn auf Abstand. Und er fiel mir nicht mal auf. Damals.

Ich konnte ihn gar nicht wahrnehmen. Musste erst einen Prozess in mir zu Ende führen, der mir alle Kraft abverlangte. Ich hatte mich bis an den Grund zersetzt und puzzelte Stück für Stück neu zusammen. Das braucht seine Zeit.

Und dann war sie da. Unsere erste Begegnung. Die Unterhaltung fing an. Das Verstehen gesellte sich dazu. Einfach so. So einfach. So natürlich und selbstverständlich. Über viele Dinge einig, entdeckten wir gleiche Vorlieben. Wunderten uns bald nicht mehr darüber.

Die anderen gewöhnten sich an ein Bild. Von zwei Menschen. Dicht nebeneinander, begleitet von ihren Hunden, nah am Zaun. In schnellem Tempo die Außenrunden zurücklegend. Es brauchte keine Erklärung. Wir spürten uns zueinander hingezogen. Bereits ein Tag ohne die liebgewonnen morgendlichen Gespräche mit ihm machte mich fast traurig. Aus verschiedenen Gründen war es nicht möglich, die frühen Runden täglich gemeinsam zu gehen. Umso mehr genoss ich, ihn zum Gedankenaustausch anzutreffen.

Dass ich verwitwet war, hatte ich ihm bald erzählt. Er selbst war gebunden. Für mich ein Grund, Distanz zu wahren. Obwohl sich mein Herz für ihn und seine Seele bereits erwärmt hatte. Doch Frau, halte dich im Zaum! Darf man überhaupt vom Begehren fragen als Frau? Sich mitteilen? Ich hielt mich zurück. Frauen sollten von Männern erobert werden, finde ich.

Eines Morgens, die Vierbeiner waren bereits in die Autos gehüpft, gab er mir einen Zettel. Mit Namen und Handynummer. Er wusste, ich würde ihm meine Nummer nie geben.

© Elis-Katha