Vorsicht, Nudel!

So eine kleine Suppennudel kann ganz arge Schmerzen verursachen. Vor allem, wenn sie unter dem Nagel des rechten Mittelfingers landet.

Kaum zu glauben. Aber vor einigen Jahren ist mir beim Abwaschen folgendes passiert. Ich nahm den Topf dran, an dessen Boden innen allerdings einige Nudeln klebten, die schon eingetrocknet waren. Wie immer hatte ich es eilig. Tauchte also den Topf ins Wasser und fing an, mit den Fingernägeln rumzukratzen. An den Nudeln.

AUTSCH!!! Scheiße!

Mir fuhr ein Schmerzensblitz vom Mittelfinger bis zu den Zehen runter. Ich musste erst mal meine rechte Hand ausschütteln, um den Schrecken loszuwerden. Dann sah ich nach, was meinem Finger geschehen war. Tatsächlich war unter dem Nagel eine Suppennudel stecken geblieben. Ein ganz klein wenig spitzte sie noch zwischen Nagel und Nagelbett hervor. Ich suchte gleich eine Pinzette, um den Schmerzverursacher herauszuziehen. Was nur zum Teil gelang, weil die blöde Suppennudel abbrach.

Der mittig steckengebliebene etwa zwei Milimeter lange Nudelrest war gut unter dem Fingernagel zu sehen. Das rosa Nagelbett blutete ein wenig. Boah! Das tat weh. Ich hoffte, das Teil würde vielleicht von selber bald herauseitern. So, wie das auch unzählige Holzschiefern bisher geschafft hatten. Allerdings war keiner von ihnen jemals an so einer Stelle festgesteckt.

Eine Nacht später konnte ich kaum noch schlafen, weil der Finger wie wild pochte. Der Schmerz sich in mir austobte. Gleich am Morgen ging ich zu meinem Hausarzt. Nach einem kurzen Blick gab er mir eine Überweisung für das "Unfallkrankenhaus" mit. Und ich sollte sofort hinfahren. Besser noch, mich hinfahren lassen, denn der Fingernagel musste gezogen werden. Die Wunde war offensichtlich septisch. Und es wäre klug, nach dem Eingriff von jemandem gefahren zu werden. Könnte nämlich sein, dass mir etwas schlecht wäre.

Natürlich fuhr ich selber. Auf die Schnelle fand ich niemanden, der Zeit hatte. Und mir tat es schon zu weh, um noch länger zu warten. Bei der Anmeldung im UKH musste ich den Grund meines Aufsuchens angeben. "Ich habe mir eine Suppennudel eingezogen. Im rechten Nagel meines Mittelfingers." Doppelt peinlich! Die Dame hinter dem Schalter sah mich ungläubig an. So etwas hatte sie noch nie gehört. Ich schilderte ihr kurz, wie es dazu gekommen war.

Bald wurde ich aufgerufen. Der behandelnde Arzt war keineswegs erstaunt. Solche "Fälle" hatte er schon mehrere hier. Jedenfalls bekam ich erst mal eine Betäubungsspritze, die der Mann im weißen Kittel mir gnadenlos durch den Finger samt Knochen jagte. Zumindest fühlte es sich so an. Ich vergaß fast auf das Ausschnaufen. Mehrmals probierte er dann, mit der Zange, ob ich soweit war.

NEIN! Noch nicht.

Irgendwann musste es sein. Mir wurde wirklich leicht schwummrig. Mit Verband stieg ich ins Auto. Fuhr heim. Selber.

Scheint was Wahres dran zu sein, dass die meisten Unfälle im Haushalt passieren. Aber nur aus der Erfahrung kann man klüger werden.

© Elis-Katha