Gestöbert

durch schneeig weiße Flocken, die quer dahergeblasen ankamen anstatt vom Himmel zu schweben. Uns zwangen, die Augen nach unten zu richten anstatt vorauszuschauen. Wir verloren nur wenige Worte. Zum Glück. Die unter der Winterdecke jedoch für immer verschwanden.

Mittlerweile ist diese Decke sehr fest geworden. Und hat einiges von ihrer Reinheit und Unschuld verloren. Die schmalen Trampelpfade auf ihr glätten sich bei jedem Schritt. Was beim Gehen viel Achtsamkeit erfordert. Ich genieße diesen wie jeden Winter dennoch. Die kalte Jahreszeit gehört einfach dazu. Zu unserem natürlichen Lebensrhythmus.

Nun bin ich selbst keine Freundin des klassischen Wintersports. Skifahren habe ich nie richtig gelernt. Damals, zur Hauptschulzeit bekam ich meine Ski aus dem Universal-Katalog. So wie wir alles daraus bestellten, was "gebraucht"wurde. Vor Weihnachten durften mein Bruder und ich darin ankreuzen, was wir gerne hätten. Wenn wir brav genug waren, brachte uns das Christkind diese Dinge. Oder wenigstens einige davon.

Jedenfalls fuhr ich, ohne vorher geübt zu haben, mit diesen neuen Skiern auf Skikurs. Zur Gruppeneinteilung mussten wir von einem kleinen Hügel herabgleiten. Mir bereitete schon das Hinaufgehen mit den Skiern und das Handling mit den Stöcken Schwierigkeiten. Dabei bekamen die Skier die ersten Kratzer ab. Meine Fahrtechnik war losfahren und hinfallen. Bogen kannte und konnte ich nicht. Für Schussfahren war das Gelände zum Glück nicht steil genug.

Klar kam ich in die letzte Gruppe der Anfänger. Wo ich bis zum Ende des Kurses auch blieb. Und nicht als einzige untalentiert. Ich glaube, er hieß Christian. Wenn wir beide uns den Schlepplift-Bügel teilten, stürzte er spätestens Mitte der Strecke und riss mich natürlich mit. Wir hatten zu tun, aus der Spur zu kommen. Damit die hinter uns nicht blockiert waren. Ein einziger Krampf, dieses Skifahren. Für mich. Und so fuhr ich auch. Verkrampft. Und immer Angst vor eisigen Hängen.

Jahre später, ich ging in den Annahof, der nächste Skikurs! Zum Glück gab es eine Lehrerin, die uns für das Langlaufen begeisterte. Das war toll! Diese Fortbewegung im Schnee gefiel mir richtig gut. Es ging schön gerade dahin. War gut für die Kondition. Und man konnte die Schneelandschaft wahrnehmen und genießen. Anneliese, meine Schulkollegin und ich, hatten die richtige Diagonaltechnik bald gut drauf. Waren schnell unterwegs. Mochten das gleiche Tempo. Durften der Gruppe vorausfahren. Die Loipen waren gut markiert. Was sollte also passieren?

Irgendwann gab es nur noch Anneliese, die vorauslief. Und unseren Rhythmus. Der uns von den anderen entfernte. Wir beide waren im Lauf so konzentriert, dass wir die Schilder übersehen hatten. Ich konnte Anneliese auch nicht hinterherrufen. Sie war auf einem Ohr fast taub. So blieb ich in der Spur, bis diese Loipenrunde endete. Und uns zum Anfang der heutigen Strecke brachte. Wir waren fertig! Und unsere Lehrerin heilfroh, als sie uns kommen sah.

© Elis-Katha