GINA

Ausgesprochen als "Tschina" hatte als kleiner Welpe ein Leucht-Klettband an der rechten Hinterpfote mit einem großen "G" drauf. So wie jedes ihrer sechs Geschwister eines trug. Mit dem Anfangsbuchstaben ihrer Namen. Denn die Kleinen sahen sich zum Verwechseln ähnlich. Obwohl unsere die kleinste war und von Anfang an am Rücken dünkler als ihre Brüder und Schwestern. Und sie sah bald schon ihrer Hundemama am ähnlichsten.

Als wir, mein jüngster Sohn und ich, Gina mit vier Wochen das erste Mal sahen und in der Hand hielten, sie war so winzig, war uns klar, dass dieses zauberhafte Wesen zu uns gehört. Und sie kann wirklich zaubern. Uns jeden Tag mindestens ein Lächeln ins Gesicht. Wir durften Gina jede Woche besuchen. Bald erkannte sie meinen Sohn am Geruch und löste sich aus dem Geschwisterrudel, um zu ihm zu laufen. Wir saßen dann bei Hans und Gerlinde, so hießen die Besitzer der Hundemama, im Garten auf einer Decke und um uns herum wuselten und kugelten die langohrigen Fellnasen.

Meinen Bruder musste ich bitten, unseren Garten einzuzäunen. Mit Holz natürlich. Bisher bildete eine lebende, vor Jahren miteinander gepflanzte, manchmal blühende, Hecke die Grenze zu meinen Nachbarn auf der rechten Seite. Links gab es bereits einen kleinen Lattenzaun.

Gina liebt das Wasser. Allerdings nicht von oben. Nur, wenn sie darin schwimmen kann, um ein Holzstück oder Spielzeug herauszuholen. Da können dann die Enten neben ihr herpaddeln. Sie lässt sich von ihnen nicht davon abbringen, das von mir ins Wasser Geworfene zu mir zurückzubringen. Manchmal taucht sie auch nach Steinen.

Mein Sohn hat mit ihr das gemeinsame Heulen angefangen. Von klein auf. Dabei sieht sie immer sehr ernst aus, wenn sie den Kopf zurücklegt. Sie heult auch mit uns Erwachsenen, wenn wir sie dazu "auffordern", also einer von uns anfängt. Das ist das wölfischste an ihr. Aber es hat uns mal geholfen, Gina zurückzuholen, als sie einer Fährte folgte und wir sie im Wald aus den Augen verloren hatten. Ein Heuler meines Sohnes und es dauerte keine 10 Sekunden, bis sie mit wehenden Ohren zwischen den Bäumen auftauchte.

Gina hat unser Leben verändert. Und der Lebensrhythmus wurde ein anderer. Von den Hundemenschen, denen wir begegnet sind, wurden einige Freunde für's (neue) Leben. Diejenigen, die Hunden gegenüber nicht so tolerant sind, sehen uns halt jetzt auch weniger als vorher. Denn uns gibt es nur mehr mit Hund.

LEBENSBEGLEITER

Ihre Nase streift.

Durch nasses Gras und stupst mich.

Mitten ins Gesicht.

Samtig, warm und weich.

Hände gleiten durch das Fell.

Und streicheln Ohren.

Neugier. Unfassbar.

Jeden Tag fängt sie so an.

Erschnuppert die Welt.

© Elis-Katha