Hola, qué tal?

Kurz vor Mitternacht standen wir endlich vor dem rostigen Einfahrtstor. Wie von der Vermieterin beschrieben. Mein Handy hatte uns durch die Finsternis navigieren müssen. Über Straßen ohne Namen. Ein Gefühl, auf privaten Feldwegen unterwegs zu sein. Eindringlinge, die nächtens durch Ackergegenden irren, um im fremden Land eine Finca zu finden. Unser Zuhause für die nächsten Tage.

Links vom Tor würde der richtige Zahlencode dieses öffnen. Es quietschte und rumpelte laut. Der Blick auf den großzügigen Palmen- und Oleandergarten im Autoscheinwerferlicht machte uns sprachlos. Mein Sohn wollte sogleich in den Salzwasserpool, der einladend sprudelte. Erst sollte das Gepäck noch ins Haus. Der Schlüssel für den Eingang war im Schlüsseldepot rechts vom Tor. Leider blieb es zu. Ich hatte mir den Code doch extra aufgeschrieben. Mit schlechtem Gewissen rief ich die Vermieterin an. Hinterließ eine Nachricht. Ich hatte sie aus dem Bett geholt, was man der schlechten Laune und dem Ton ihres Rückrufs entnehmen konnte. Ach ja! Ein Buchstabe nach dem Zahlencode fehlte. Sie blieb dran. Aber das Depot trotz mehrerer Versuche geschlossen. Genervt meinte sie, wir sollten den Deckel herunterreissen, um an den Schlüssel zu kommen. Irgendwie klappte das Teil nach unten. Wir konnten nun die Finca beziehen. Die Vermieterin atmete auf. Buenas noches!

Mein Sohn suchte seine Badehose. Öffnete unseren roten Koffer. Na super, der gehört nicht uns! Dieser hier war voller Windeln, Schnuller, Babynahrung und -kleidung. Wir erinnerten uns an eine Familie neben dem Gepäckförderband, die einen roten Koffer herunternahm, der meinem sehr ähnlich sah. Und wie bekomme ich jetzt mein Handy wieder und was mache ich ohne Badesachen? Mein Junge jammerte, dass dieser Tag nur Unglück gebracht hätte. Nicht so ganz, korrigierte ich ihn. Schließlich waren wir, wenn auch sehr spät, wenigstens heil angekommen.

Der Reisetag begann für meinen Sohn mit Kopfweh. Vielleicht aus Angst vorm Fliegen. Jedenfalls holte uns das Taxi pünktlich ab. Nach der letzten Kreuzung wurde ihm speiübel. Der Taxilenker ließ uns aussteigen. Der Junge erbrach. Wir wollten die paar hundert Meter zum Flughafen zu Fuß gehen. Mein Lebensgefährte sah uns blass entgegen, als wir daher spazierten. Es sollte der erste gemeinsame Urlaub werden. Nach dem Einchecken bekam mein Kind Lust auf ein Schnitzel. Das Fliegen überstand er dann gut mit Rescue-Tropfen. In Palma de Mallorca gelandet, fuhr uns ein Shuttle-Bus zum Autoverleih, wo wir nach endlosen Formalitäten ein altes Opel-Modell statt des reservierten Neuwagens übernahmen. An der Auffahrt zur Autobahn hielten wir an. Kein Licht! Mein Lebensgefährte ging zurück zum Verleih. Wir warteten herzklopfend und bang neben dem Auto. Vorbeifahrende hupten. Ein Auto hielt. Mein Lebensgefährte stieg aus. Die Verleiher zeigten uns den Lichtschalter. Es ging los. Auch der hintere Scheibenwischer, bis der Gummi stank.

Ab in den Pool. Nackt!

© Elis-Katha