Klack ... Klack ... Klack

Wie immer warst du von Publikum umgeben. Führtest gerade vor, wie man sich richtig abstützt. Um sich vor Verletzungen zu schützen. Im Falle eines Sturzes. Mit den Rollerblades.

Zuerst auf die Knie. Die Knieschützer klackten. Gleich darauf die Arme im rechten Winkel nach vor, Fäuste geballt. Die Ellenbogenschützer klackten. Und dann gab es des weiteren die Handgelenksschützer. Klack.

Und das ganze Spektakel gleich noch mal, weil die Leute dir gerne zusahen. Und du einfach sehenwert warst. Ein Clown warst. Der bestangezogene Clown, den ich je kannte. Der modischste Mann in unserem Bekanntenkreis. So was von lässig und chic habe ich seither kaum an jemandem gesehen. Und was hattest du an Geschichten auf Lager. Für uns. Immer zu 100% unterhaltsam. Auch, wenn sie nur 50% Wahrheit enthielten.

Damals hast du meine zwei Kinder und mich zum Salzburgring mitgenommen. Man konnte dort einen Tag lang rollerbladen. Meine Tochter war ganz begeistert. Du sowieso sportlich. Mein Sohn durfte ausnahmsweise mit dem Rad die Runden fahren. Und ich hatte mir die Rollerblades meines Mannes geborgt. Die Schützer hattest du mit. "Also, die Knieschützer sind ziemlich eng." Du sahst mich an. Begannst lauthals zu lachen. "Mensch! Du hast ja die Ellbogenschützer an den Knien!" Kein Wunder, dass es mich einschnürte.

15 Jahre werden es heuer. Seit der Krebs gesiegt hat. Bis zum Schluss sah man dir die Krankheit und deinen Kampf dagegen nicht an. Mein Mann fing an zu glauben, dass auch das wieder eine deiner "Geschichten" sein könnte. Du nur Publikum suchtest.

Ich glaubte dir! Denn das war zu ernst. Und vielleicht riefst du deshalb mich und nicht ihn an. Damals. Im Büro ließ ich alles liegen. Sagte meinen Kollegen, dass mich unser sterbenskranker Freund brauchte. Jetzt! Denn du weintest. Als du mich batest, zu kommen. Ich brachte vom Bäcker frische Semmeln mit. Du wolltest frühstücken. Und reden.

Ich läutete an der Tür. Und als du aufmachtest, war ich es, die weinte. Und du fingst mich auf. Dabei wollte ich doch Trost für dich sein. Entschuldigte mich bei dir. Und wir konnten sogar ein wenig lachen. Über uns.

Du hattest zu der Zeit schon länger eine Freundin, die sehr viel jünger war als du. Und mit ihr tat ich mir schwer. Schwerer als mit denen, die du mir vor ihr mit ins Haus brachtest. Vielleicht zweifelte ich an ihrer Ernsthaftigkeit. Zu dir. Lieber, guter Freund! Und um euch ging es jetzt.

Sie wünschte sich ein Kind von dir. Wollte, dass du deinen Samen einfrierst. Jetzt noch, bevor dein Körper durch spätere Bestrahlungen und Chemotherapien "vergiftet" wäre. Du wolltest das nicht. Das Risiko war dir zu groß. Dass sie womöglich alleine dastehen würde. Mit dem Kind. Ich verstand euch beide. Ihren Wunsch. Deine Angst.

Meine Zweifel waren umsonst. Sie war an deiner Seite. Bis zum Ende.

Und du hattest leider recht. Dein Kind wär ohne dich gewesen. Von Anfang an.

Dabei fiel es uns schon schwer, ohne dich zu sein! Mittendrin im Leben.

© Elis-Katha