Mein erster Atemzug

Mein erster Atemzug ratterte mich ins Leben. Weil ich ihn erwischte. Es hätte ja gleichzeitig der letzte sein können. Dann würde ich wohl einiges verpasst haben.

MUTTER

In dir hing ich am Nabel zur Welt, dem künftigen Leben verbunden. Meine einzig wahre Bindung wurde gekappt. Nichts verband mich mehr. Seither bin ich. Danke, dass du mich geboren hast!

ROTE FÄDEN

Früher signalisierten meine roten Wangen Aufregung, Unsicherheit, das Gefühl des Schämens. Für was auch immer. Frauliche Jahre später ließ mich mein monatlicher Blutverlust eher blass erscheinen. Nur der Faden des Tampons war öfter mal rot und der einzige, an dem ich selber zog. Egal, ob der Lebensfaden seiden ist oder sich wie ein Strick anfühlt. Und egal, welche Farbe er hat. Er lässt mich festhalten, leitet oder zieht mich vorwärts im Leben.

Welches bereits fertig gestrickt ist. Wenn mir ein Muster nicht gefällt, kann ich versuchen, es zu ändern.

UND WENN

ich mal stehen bliebe? Einfach so. Würde das Leben ohne mich nicht weiter gehen. Es nimmt mich mit, trägt mich. Dafür ertrage ich es auch. Und erlebe. Solange es mich lässt.

ERWACH(S)EN

Gestern. War ich.

Heute. Bin Ich.

Der Mensch, der an gestern wuchs.

© Elis-Katha