Naked in the Wehr

Für meine Gina, die Wasserratte, haben wir im Sommer gerne den Aqua Kong dabei. Ein Hundespielzeug aus Vollgummi mit Schaumstoffkern. Das ganze Teil hängt an einem Wurftau. So kann man es gut und weit ins Wasser auswerfen.

Da wartet meine Hündin drauf. Dass es endlich losfliegt und sie ins Wasser springen kann. Um nachzuschwimmen. Natürlich geht das nur an bestimmten Plätzen am See. Und wenn kein fremder Hund in der Nähe ist. Damit sie ihr Spielzeug nicht verteidigen muss. Da es letztes Jahr so lange so warm war, konnte Gina ihre Schwimmleidenschaft bis in den Spätherbst hinein ausleben.

Da wir manchmal ans Wehr spazieren, dort wo die Fischach aus dem Wallersee abfließt, lassen wir Gina hier ins Wasser. Oberhalb des Wehrs. Nun war durch die Trockenheit der Wasserpegel sehr niedrig geworden. Gina wirbelte im ohnehin trüben Wasser bei jedem Sprung Schlamm auf. Doch schwamm sie unermüdlich dem Kong nach, um diesen zurückzubringen. Irgendwann zuckte sie beim Schwimmen. Und sah sich leicht panisch um. Als wäre etwas an ihr vorbeigestreift. Doch war nicht zu erkennen, was sie erschreckt hatte.

Wieder warf ich ihr das Spielzeug in das Nass. Leider klatschte es neben eine treibene Binse oder ein Schilfgras. Gina sprang erst nach zweimaliger Aufforderung und einem kleinen Schubser von mir ins Wasser. Sie holte das Teil und man konnte sehen, wie sie mit einem skeptischen Seitenblick auf das schwimmende Gras schneller wurde. Um schnell aus dem Wasser rauszukommen.

Mein Fehler war, dass ich den Kong "ein letztes Mal" auswarf. Platsch! Da trieb er nun vor sich hin. Mein Lebensgefährte hatte es schon im Gefühl, dass es nichts mehr wird mit Apportieren. Wollte sich an der "Staustufe" entlang hanteln. Den Kong mit der Hand herausfischen. Ich hielt ihn davon ab, weil die Steine zu rutschig waren. Hatte mich vom Wasserspielzeug bereits still verabschiedet.

"Warten wir, bis der Kong ins Unterwasser fällt. Da gibt es einen Strudel. Vielleicht treibt es ihn dann zu uns her." Meinte mein Lebensgefährte. Wir stellten uns mit den Hunden ans Ufer. Sahen dem fließenden Wasser zu. Sehr beruhigend übrigens. Das Binsengras war bereits im Strudel gelandet. Drehte seine Runden. Jetzt war der Kong ebenfalls im kreisenden Sog gelandet. Irgendwie kam er uns aber nicht näher.

Mein Lebensgefährte gab mir die Leine seiner Hündin. Jetzt schauten aber drei Mädels! Wie er sich die Schuhe auszug, Socken, Hose, T-Shirt, Unterhose. Just beim letzten Wäschestück kam Bewegung auf. In Form von Menschen, die uns in den letzten zwanzig Minuten mit ihrer Anwesenheit verschont hatten. Jetzt aber schnell ins Wasser. Den nackten Körper.

Die ersten überquerten die Brücke. Ein Pärchen mit Hund kam zu uns runter. Ihr Hund sollte ins Wasser. Da fuhr ein Boot vorbei. Oberhalb der Wehr kam ein Standup-Paddler auf uns zu. Ich musste lachen. "Das gibt's ja nicht. Bleib drin. Da kommt noch wer." Weitere Menschen auf der Brücke.

Zum Glück war das Wasser warm. Und nur eine Zehe blutig.

© Elis-Katha