PAPIERGESTALTEN

Unbeschnitten. Nicht gefaltet. Oder zurechtgelegt. Eher zurechtgeschrieben. Gestalter von Geschichten. Auf Papier.

Wenn meine Papiergestalten nur einen Hauch von Emotion auslösen, dann erscheint es mir gelungen. Auch, wenn es Ekel oder Trauer hervorruft. Natürlich ist es schöner, Menschen zum Lachen zu bringen. Aber das Leben erzählt sich eben so vielfältig und bunt. In bloß geschriebenen Worten.

Und wann fühlen sich Leser angesprochen, in irgendeiner Art? Aufgrund von selbst Erlebtem, dem Wiedererkennen vielleicht? Oder weil sie Empathievermögen besitzen, sich in fremde Charaktere hineinversetzen können.

Und genau das ist es, was ich im Grunde als Schreibende und Beschreibende oder Beobachtende mache. In meine Figuren zu schlüpfen oder die Figuren schlüpfen in mich und erzählen ihre Geschichten. Und meine Aufgabe ist es, Worte für ihre Geschichten zu finden. Die Worte in Geschichten zu kleiden.

Jedenfalls beginnt alles zuerst auf Papier. Bei mir. Und irgendwo, auf irgendeinem meiner unzähligen Zettel hatte ich irgendwann folgende Notiz hingekritzelt:

GEDANKEN AUF BESUCH

In Wortfetzen gehüllt oder Geschichten gerahmt. Machen aus mir eine Voyeurin, die in Rollen schlüpft. Und manchmal kriechen Figuren in mich und hauchen sich meinen Atem ein. Um lebendig zu werden.

© Elis-Katha