Pferdefuß

Laut Wikipedia bedeutet "Pferdefuß" in der Regel unerwünschte bis unangenehme, z.T. versteckte Begleiterscheinung bei Vereinbarungen oder Verträgen. Die aber in Kauf genommen werden (müssen), da es die Sache nur im Paket mit dem "Pferdefuß" gibt. Scheint ein veralteter Ausdruck zu sein.

Allerdings ist meine Geschichte auch schon ein Weilchen her. Circa 20 Jahre. Und damals fackelten wir nicht lange herum. Es handelte sich schließlich um einen Notfall. Bei meinen Nachbarn. Für eine vorherige Vereinbarung blieb keine Zeit.

Es war noch Winter. Wieder begab ich mich zu Fuß ins Büro. Diesmal in Begleitung meines Schwiegeronkels. Während wir uns unterhielten, hörten wir plötzlich einen Schrei. Wir wendeten die Köpfe nach rechts. Und sahen, wie die Nachbarin der jungen Stute ihrer Tochter nachlief. Das Tier schien aus dem Stall geflüchtet zu sein. Geradewegs durch den Garten. Vorbei an leeren Wäscheschnüren und nackten Obstbäumen. Irgendwie sah es zum Lachen aus.

Bis Apanatschi, so der Name der Stute, Richtung Terrasse galoppierte. Kurz davor gibt es einen versenkten Schwimmingpool. Damals war er mit einer Eisschicht bedeckt. Es war wie im Film. Und wir wie gebannt stehen geblieben. Apanatschi sprang ausgerechnet da drauf. Wir hörten das Eis krachen, das Pferd wiehern, die Nachbarin um Hilfe rufen. Und schon versank die junge Blauschimmel Norikerin.

Natürlich rannten wir sofort los. Zum Pool hin. Knieten nieder und versuchten das verängstigte Tier an der Mähne und am Hals zu packen. Sie fest zu halten. Zu beruhigen. Isa war nun gekommen. Die Besitzerin. Sie hatte den Tumult gehört. Ihr Pferd aber nicht mehr stoppen können. Weil sie selbst noch im Haus war.

Sie wollte jetzt in den Pool. Zu ihrem Pferd. Ihr Vater, ebenfalls vom Aufruhr im Garten herausgelockt, fand das keine gute Idee. Zu gefährlich! Er machte sich auf die Suche nach Gurten. Isa's Mutter brachte uns eine Decke, auf der wir nun besser knien konnten. Vor lauter Aufregung kann ich nicht mehr sicher sagen, ob Isa dann doch ins Wasser gegangen ist. Weil irgendwie waren auf einmal die Gurte am Pferd angebracht.

Und wir versuchten gemeinsam, ungefähr 500 Kilogramm Pferd heraus zu heben. Was zum Glück gelang. Apanatschi setzte allerdings ihren Hinterhuf voll auf meinem Fuß ab. AUA!!! Ich humpelte erst mal nachhause. Meine liebe Nachbarin brachte mir daraufhin ein Fläschen selbstgemachten Franzbranntwein vorbei. Dieser half tatsächlich. Um meinen Fuß, der nun selbst zum "Pferdefuß" mutiert war, wieder zu kurieren.

© Elis-Katha