Saure Leber

"Mhmm", werden jetzt vielleicht einige sagen. Ich sag dazu nur soviel: "Mir graust's." Ich kann mich noch gut erinnern, wie wir früher jeden Samstag Großeinkauf bei Merkur machten. Mein Bruder und ich durften mitfahren. Er bekam dann meist ein neues Matchbox-Auto. Denn mein Bruder mochte Autos von kleinauf. Spielte am liebsten damit, während mir Lego lieber war. Um mein "Traumhaus" zu bauen. Immer wieder baute ich eines. Später bevorzugte ich Bücher. Denn das Lesen ließ mich in Traumwelten flüchten, während das echte Traumhaus noch zu weit weg war.

Jedenfalls musste Samstags die Speisekammer aufgefüllt werden. Packerlsuppen, Nudeln und Reis hatten wir immer in Reserve. Kracherl gab es damals nur am Wochenende. Und wehe, wir fragten ihn nicht vorher, wenn wir was zum Knabbern oder was Süßes haben wollten. Da konnte mein Stiefvater ziemlich sauer werden.

Apropos sauer. Es war üblich, dass er nach dem Einkauf, wenn er alles verräumt hatte, kochte. Und es gab fast jeden Samstag diese saure Leber. Mit frischen Semmerln. Nichts gegen seine Kochkünste. Er war gelernter Koch und Kellner. Aber was hilft's, wenn ich Leber nicht mag. Allein die Konsistenz dieser Innerei war für mich ein Greuel. Da ist es von griaslig nicht mehr weit bis grauslig. Die Zwiebelsauce schmeckte gut. Säuerlich wegen der Zitrone. Ich tunkte gern meine Semmel darin ein. Aber die Leberstückchen zerkauen. Das dauerte bei mir. Und machte das Runterschlucken nicht besser für mich.

Außerdem durften wir nichts übrig lassen. Bei uns hieß es noch, was auf den Tisch kommt, wird gegessen. Basta.

© Elis-Katha