So gern ...

Ein guter, alter (weil lebenserfahrener) Freund sagte mir mal: „So gern wie du bisher geraucht hast, so gern musst du auch aufhören wollen.“

Damals war ich auf dem Weg zu meiner Frauenärztin. Schon während der Fahrt in die Stadt rauchte ich fünf Zigaretten. Habe beim Autofahren immer geraucht. Wenn mein Kind nicht mit war! In der Früh auf dem Weg zur Arbeit die erste Zigarette. Fenster ganzjährig offen. Egal, wie kalt es draußen war. Furchtbar. Die nächste Zigarette auf der Heimfahrt.

Jedenfalls wollte ich mit Ende vierzig das Risiko einer Schwangerschaft nicht mehr eingehen. Obwohl. Für den neuen Mann in meinem Leben hätte ich gerne ein Kind ausgetragen. Bereits bei der ersten körperlichen Begegnung mit ihm war dieses Gefühl in mir, dass er ein wunderbarer Vater wäre. Wir liebten uns, ohne Sex zu haben. Erstens, so teilte ich ihm mit, hätte ich keine Kondome zur Hand. Und zweitens nehme ich nicht die Pille. Dennoch knisterte pure Erotik zwischen uns. Wir setzten Lippen, Zungen und Hände ein, um unsere Körper kennen zu lernen. Ließen uns miteinander aufeinander ein. Ich war von seiner Sinnlichkeit wie berauscht. Mein Körper gab sich ihm hin, weil er spüren wollte. Und der Verstand hatte keine Chance, uns zu blockieren.

Nun war ich so weit, mich wieder mit Verhütung zu beschäftigen. Um diese Liebe vollends ausleben und auch sexuell genießen zu können, erschien mir die Dreimonatsspritze am sympathischsten. Ein guter Zeitrahmen. Überschaubar. Ich wollte keine tägliche Pille schlucken. Habe generell eine Abneigung gegen Tabletten. Nur bei Migräneattacken bin ich dankbar für diese Art der Chemie.

Mit der Gynäkologin besprach ich die Möglichkeiten der Verhütung. Rauchen war natürlich Thema. Risiko. In Verbindung mit Hormonen. Spirale kam definitiv nicht in Frage. Es sollte kein Fremdkörper in mir sein. Auch wenn ich damit für fünf Jahre so gut wie sicher vor einer möglichen Schwangerschaft wäre. Lieber würde ich alle drei Monate zu meiner Frauenärztin fahren. Ich ließ mir also die Spritze geben. Musste ihr aber versprechen, dass wir dennoch die nächsten 14 Tage aufpassen bzw. anders verhüten müssten. Fast hätte ich zu heulen angefangen.

Beim Heimfahren wollte ich nicht mehr rauchen. Es fühlte sich total gut an. War so klar. Gerne hörte ich auf. Für mich. Heute.

Beim jährlichen Kontrolltermin sahen wir am Ultraschallbild, dass die Schleimhaut an der Gebärmutter zurückgegangen war. Der Durchmesser um mehr als einen halben Zentimeter abgenommen hatte. Hormone also durchaus Positives bewirken konnten. Seit dem ersten Besuch bei der Frauenärztin hatte sie dies im Auge behalten. Um sicher zu gehen, dass sich keine Polypen bildeten, die im schlimmsten Fall zu bösartigen Wucherungen mutierten.

Dieser Mann war nicht nur gut für meine Seele, sondern auch für meinen Unterleib. In jeglicher Hinsicht. Und deshalb fühlte ich mich seit langem endlich wieder wohl in meiner Haut. So gern war ich Frau. Wollte gar nichts anderes mehr sein.

© Elis-Katha