Überlebensmüde - Teil 4

Nach einigen Jahren begegnete sie einem Mann, dessen Wesen sie anzog. Sie vertraute ihm, vertraute sich ihm an. Lernte die Liebe durch und mit ihm neu kennen. Eine Liebe, die so anders war. Reifer, belebter, gleichgesinnter. Glücksempfinden.

Dieser Mann, der in ihr Leben getreten war, wollte sie buchstäblich auf Händen tragen. Eine neue Erfahrung. Völlig ungewohnt. Sie musste erst lernen, sich tragen zu lassen. Von dem Mann an ihrer Seite. Nicht einfach für sie. Für ihn war nicht einfach, dass es zudem eine Frau gab, die er nicht fallen lassen wollte. Seine Frau. Und doch zog er bei ihr ein. Er hatte viel Geduld und brachte Ruhe in ihr Leben, was ihr gut tat.

Schwierig wurde es, wenn düstere Gedanken aufstiegen, die ihren Verstand einnebelten und mit Dunkelheit nährten. Diese Dunkelheit breitete sich in ihr und um sie herum aus. Als würde die Lust am Leben und das Licht, um zu sehen, aufgesaugt. Sie fror. Innerlich und äußerlich. Und verstand es nicht. Wo sie doch nun ein Leben in Liebe führte. Doch was hilft die Liebe, wenn die Unsicherheit wächst? Angst auftaucht? Und leider konnte die neue Liebe sie nicht vor ihren Träumen beschützen.

Gefühle von früher kletterten hoch, dunkle Gedanken schlugen Haken ein, um nicht wieder abzustürzen. In der Nacht wurde sie geschüttelt von Weinkrämpfen, die ihren Körper zusammenzogen und sie ganz klein darin machten. Warme Tränen flossen und der Rotz dazu. Doch Worte fanden keinen Weg aus ihr. Sie hatte Atemnot, bekam Herzrasen und Lebensangst. Angst vor dem Weiterleben.

In solchen Momenten spürte sie, wie ihr Mann gefühlt haben musste. Sie erlebte es an sich selbst und konnte ihm nur recht geben. Leben machte keinen Sinn. Es war wie ein Kampf, dieses Leben täglich zu überleben. Warum wieder und wieder aufwachen müssen? Es war nicht notwendig, dass sie hier auf Erden blieb. Als Mensch für die Umwelt überflüssig. Unentwegte Kriege, die Gier der Menschen, ewiger Neid. Nur Profit schien zu zählen.

Sie dachte immer intensiver daran, wie ihr Mann seinerzeit für sich entschieden hatte, aus dieser materiellen Welt zu gehen. War seine Seele denn nicht damals schon näher wieder bei Gott als viele andere Seelen, die ihn dafür verurteilten oder nicht verstehen konnten? Nicht verstehen wollten?

Jetzt war sie selbst im finsteren Zustand gefangen. Müsste sie sich nicht selbst belügen? Vorlügen, wie schön das Leben sein konnte, was es bereit hielt, wenn man dafür bereit war, es zu leben? Zweifel hatten sich bereits in ihr eingenistet. Leise, doch beharrlich waren sie, anfangs. Und wurden lauter. So laut, dass sie selbst immer stiller, mutloser und müde wurde. Sie war dabei, das Vertrauen zu sich selbst zu verlieren. Die Müdigkeit schien nicht mehr zu weichen.

Doch: »Erst, wenn mich hier nichts mehr hält, lasse ich meine Seele weiterziehen!«

Und hier hat die Liebe meine Seele aufgefangen! Und sie trägt mich.

DANKE!!!

© Elis-Katha