WIEVIEL hat's bezahlt?

Dieses schrille "WIEVIEL hat's bezahlt?" klingt mir heute noch in den Ohren. Ich hasste die neugierige Verkäuferin, welche ihren Kopf herüberreckte. Um zu sehen, wie viele Hunderterscheine meine Mama hingeblättert hatte. Schulden bezahlte sie damals. Vom ADEG-Kaufmann war eine schriftliche Mahnung gekommen. Zu oft schon hatten wir anschreiben lassen. Bis es nicht mehr ging.

Ich schämte mich. Es war peinlich. Doch meine Mama hatte mich wohl mitgenommen, um nicht alleine vor ihnen zu stehen. Und die Schande zu teilen. Mit mir. Einem Kind im Volksschulalter.

Geld war ständig knapp bei uns. Meine Mama ging, seit ich denken kann, putzen. Rackerte sich bei feinen Leuten im Haushalt ab. Weil sie selbst nur wenig Haushaltsgeld bekam. Von ihrem Mann. Und was wurde oft gestritten. Wegen des scheiß Geldes!

Unten in der Siedlung, wo wir wohnten, gab es ebenfalls einen kleinen Nahversorger. Meistens wurde ich hingeschickt. Beim Kind wird man schon mal Nachsicht haben und anschreiben. Ich hasste das Einkaufen. Und dann fürchtete ich mich regelrecht davor.

Weil einmal, die Töchter des Nahversorgers hatten den gleichen Schulweg wie ich, kamen wir ins Streiten. Warum, weiß ich heute nicht mehr. Aber ich sagte zu der Jüngeren, dass ihr Papa eine lange Nase hätte.

Frag nicht, wie mich deren Mutter anfuhr. Als ich im Geschäft an der Kasse stand, wo er als Kassier saß. Er selbst sagte kein Wort. Aber seine Frau war wie eine Furie. Kam von der Feinkost hinter mir her: "Was ich wohl glaubte, wer ich sei! Und so eine Frechheit, ihren Mann zu beleidigen. Und dass ich mich auf der Stelle zu entschuldigen hätte." Anschreiben lassen war ab diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich.

Aufgrund meiner Erlebnisse wurde mir eines ganz wichtig. NIEMALS finanziell abhängig zu sein. Von einem Mann. Immer selbst genug zu verdienen. Um auch alleine durchzukommen. Im Falle des Falles. Und so hielt ich es auch während meiner Ehe. Getrennte Konten. Ich war die Sparerin. Hatte immer ein wenig Reserve. Ich bekam ja kein Haushaltsgeld. Verdiente eh mein eigenes.

Und dann, während meiner dritten Karenz, war ich so knapp dran wie nie zuvor. Ständig gab es Schulveranstaltungen, die was kosteten. Dann die Sprachreise nach England. Ein Kind für ein Semester im Internat. Und so weiter. Meine Ersparnisse waren aufgebraucht. Und ich musste mit dem Geld jonglieren.

Mein großer Sohn erinnert sich heute noch, wie ich oft zu ihm sagte: So! Soviel Geld habe ich mit. Mehr können wir heute nicht ausgeben." Und während des Einkaufes rechnete ich im Kopf mit, was die Endsumme ausmachen wird. Ob sich noch was ausgeht. Keines meiner Kinder bettelte jemals um Süßes oder dergleichen.

Mein Stolz ließ nicht zu, meinen Mann um Geld zu fragen. Ich war später diejenige, die ihm Geld gab. Weil er sich den Zahnarzt nicht leisten konnte. Ich kaufte ein, bezahlte die Betriebskosten und alles für die Kinder brauchten. Mein Mann war für die Kredit-Rückzahlung verantwortlich.

Für das Haus, das heute uns gehört.

© Elis-Katha