Wie ruhig es war

WUMM!!!

Jessas! Mir gibt es einen Stich vor lauter Schreck. Schon wieder ein Tuscher. Als wäre in der Nähe ein Reifen geplatzt. Seit der Früh wird geböllert. Und die Raketen müssen verschossen werden. Vorher müssen sie gekauft werden. Egal, wie teuer und von woher sie importiert wurden. Egal, wieviel Dreck in Form von Feinstaub in die Luft geschleudert wird. Egal, wieviel Dreck danach überall herumliegt. Und vor allem egal, wie laut. Unsinnig laut! An unsere Haustiere und vor allem die Wildtiere, an die denken nur die wenigen Vernünftigen.

Ist es nicht schon längst an der Zeit, endlich ein Gesetz oder besser ein Verbot zu erlassen? Zumindest eine zeitliche Begrenzung, dass nur eine Viertelstunde (kurz vor Mitternacht beginnend) lang ein Feuerwerk stattfindet? Oder dass es nur ein einziges großes Ortsfeuerwerk gibt? Wo echte Pyrotechniker am Werk sind, die ihre Arbeit sicher und beeindruckend verrichten.

Nun, ich war heute Vormittag am Weg in unsere kleine Stadt, weil ich zur Post musste, eine Kleinigkeit noch einkaufen und vor allem meinem Chef, der heute ärztlichen Notdienst hat, einen süßen Glücksbringer vorbeibringen wollte. Er mag halt so gern Süßes. Als ich an der Praxis vorbeifuhr, sah ich schon, dass ziemlicher Betrieb sein musste, denn die Parkplätze waren voll. Ich nahm mir vor, nach meinen Erledigungen rein zu schauen. Doch eine Stunde später war es nicht besser und ich stellte in der Nähe der Volksschule mein Auto ab. Ging zu Fuß rüber zur Ordination.

Bereits im Stiegenhaus standen Patienten, die mir berichteten, dass das Wartezimmer schon voll sei. Ich ging hoch. Die Eingangstür war offen, zwischen Anmeldung bis nach draußen eine Menschenschlange, die heute Hilfe brauchten, Schmerzen hatten. Ich grüßte freundlich, ging an ihnen vorbei. Mein Gott! Im Gang zu unseren Ordi-Zimmern saßen Menschen am Boden. Unter ihnen eine Mutter, die ihr krankes Kind im Arm hielt. Ich kämpfte mit den Tränen. Nicht mal als Patientin hatte ich jemals so einen Andrang erlebt. Und ich konnte nicht helfen. Ihnen allen nicht und meinem Chef nicht, den ich kurz sah, wie er von einer Ordination in die andere huschte. In aller Ruhe, die er immer ausstrahlt und die an ihm so geschätzt wird.

Und mir fiel auf, wie ruhig es hier drinnen war. Keine Hektik, so wie draußen auf den Straßen. Trotz der vielen Wartenden. Geduldig und im Vertrauen, dass jeder von ihnen drankommen wird. Ich erklärte, mich nicht vordrängeln zu wollen, keine Patientin zu sein. Sondern nur eine Kleinigkeit vorbeizubringen. Kein Problem, meinte ein Mann. Ich ging durch die Schwingtür rein zur Anmeldung, hinterließ auf einem Zettel meine Neujahrswünsche und ein Punschkrapferl mit einem Mini-Marzipanferkel darauf. Verabschiedete mich von den Patienten. Wünschte ihnen alles Gute und Gesundheit. Denn normalerweise komme ich außerhalb der Ordi-Zeiten. Als gute Fee, sagt mein Chef immer.

Und jetzt schieß ich auch. Bälle aus Schnee. Für meinen Hund.

© Elis-Katha