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Das neue mask-have: Frau Müllers Maske

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Das neue mask-have:  Frau Müllers Maske | story.one

Auf dem Weg zum Einkaufen kommt mir eine seltsame Gestalt entgegen. Sie läuft wie ein aufgezogener Duracell-Hase, stoppt plötzlich, lässt die Einkaufstasche fallen, fummelt an einem Lappen am Kopf, hebt die Tasche wieder auf, läuft weiter. Je näher sie kommt , desto mehr konzentriert sich mein Blick auf das große weiße Ungetüm um ihren Kopf.

Ist das nicht Frau Müller, meine knapp 90 -jährige Nachbarin? Und was ist das für ein schlappriges Ding vor ihrem Gesicht? Ich schwanke zwischen Lachen und Entsetzen.

"Hallo Frau Müller, ich habe Sie gar nicht erkannt. Sie sind ja total vermummt" , sage ich und bleibe etwa 2 m vor ihr stehen, während sie unbeirrt weiter läuft .

" Nicht so nah", rufe ich und strecke meinen Arm aus, um sie zu bremsen.

" Seh nix ", stöhnt sie, lässt ihre Tasche fallen und nestelt an dem großen weißen Lappen in ihrem Gesicht.

"Ah, Sie sind 's! I hab Sie gar ned gsehn ", ruft sie überrascht , nachdem sie das Ungetüm von den Augen gezogen hat.

Mein "Ich hatte doch angeboten für Sie einzukaufen " überhört sie geflissentlich.

"Originell Frau Müller", sage ich lachend. " Sie tragen ja ein ganz besonders scharfes Teil im Gesicht spazieren. Sieht irgendwie aus wie eine Männerunterhose."

"Fällt 's stark auf?", fragt mich die alte Dame ungläubig.

"Ja, schon!", sage ich lachend.

" Ja, was soll i machn, alle sagn i muass an Mundschutz tragn, aber i hab koan. Da hab i denkt, i bind mer die Unterhosn von meim Mo um. Bisher hat 's koaner gmerkt."

Ich muss schwer an mir arbeiten, um nicht laut loszuprusten.

" Frau Müller, ich könnte einen Mundschutz für Sie nähen, der gut anliegt und die Augen frei lässt. Ist das eine Idee?"

" Ja, vielleicht. Aber der derf ned so fui Bandln habn und jetzt muass i weida, ned dass Sie mi noch ansteckn ", meint die alte Dame. "I bin nämlich Risikogruppe!", greift nach ihrer Einkaufstasche und läuft wie vom Teufel gejagt davon. "

Ich schaue besorgt hinterher und überlege, wie ich ihr helfen könnte, einen einfachen, hygienischen und schnell wechselbaren Mundschutz zu bekommen.

Wieder zuhause mache eine Zeichnung, die ich per WhatsApp meinem Freund Martin schicke. Ich frage ihn , ob meine Idee umsetzbar sei. Er antwortet, dass er meinen Entwurf mit seinem 3d Drucker drucken wird. 2 Stunden später schickt er Fotos meiner "Erfindung". Es sind leicht zu befestigende wiederverwendbare Klammern, die man in die Seitennähte des Stoffs führt, den man als Mundschutz benutzt.

Die Klammern, in jeder Farbe erhältlich, bestückt man mit Gummiringen , die um die Ohren geführt werden.

Als ich Frau Müller anrufe, um ihr zu sagen, dass ihr Mundschutz fertig sei, meint sie:

"Na hoffentlich gefallt mer der. I mecht nämlich ned bleed ausschaun."

"Keine Angst Frau Müller, ich hab mein bestes getan, damit Sie keine Männerunterhosen mehr im Gesicht tragen müssen!"

"Hat eh keiner gmerkt! Aber wenn' S welche bräuchtn, schenk i sie Eahna."

" Nein danke , Frau Müller. Ich würde sie nicht tragen. "

"Sind aber bequem", sagt sie beleidigt und hängt ein.

© Elisabeth Grosch-Waclowsky 23.04.2020

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