Die Sternennacht

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Die Sternennacht | story.one

"Meine Füße tun weh"

"Ja dann lass Pause machen!"

"Wo?"

"Hier auf der Straße!"

"Spinnst du, sicher nicht!"

"Dann in der Wiese!"

Alpbach ist ein schöner Ort. Umgeben von Bergen, umrahmen blumengeschmückte Balkone die malerischen Holzhäuser. Aber nicht nur tagsüber verzaubert einem der Anblick; in klaren Nächten hat man die Möglichkeit einen atemberaubenden Blick auf abertausende, funkelnde Sterne zu werfen. Es erweckt den Anschein, als wäre dies einer der Gründe gewesen, dass man die Häuser immer weiter und höher auf die Berge gebaut hat.

Aufgrund zweier solcher Häuser, die man meiner Meinung nach, besonders nach einer durchzechten Jakobernacht viel zu hoch an den Berg gebaut hatte, lag ich nun mit der Person, die ich während des Forums am wenigsten schätzte, halb auf seinem Sakko und halb auf feuchtem Wiesengras in einer glasklaren Nacht, mit Blick hoch zu den abertausenden Sternen gerichtet.

Tage davor hatte er mich noch angeschrien, da wir uns bei einer Sache unstimmig waren und eigentlich hatte ich auch geschworen, ihm aus dem Weg zu gehen. Und hätten wir nicht den selben Heimweg gehabt, wäre es mir auch gelungen.

An alles kann ich mich nicht mehr erinnern, ich weiß aber noch, dass wir respektvoll Distanz zueinander gehalten haben. (so gut kannte und mochte man sich dann doch noch nicht) Wir haben über viel geredet, Gott und die Welt, es mag auch noch die eine oder andere Spitze auf den Kosten des anderen gefallen sein, aber nach dieser Nacht waren wir einander nicht mehr fremd.

Wenn ich nach meinem Alpbach Moment gefragt werde, so werde ich zuerst immer an die Nacht in der Wiese unter dem Sternenhimmel denken. Im nächsten Augenblick dann aber die Geschichte mit dem Herrn Narval, wie er mich damals meines Twitterverhaltens etwas besseren belehrt hatte, erzählen.

Zu Unwichtig und banal erscheint diese eine Nacht nach Außen und doch hat sie mein Leben mehr verändert als die unfreiwillige Einführung in die respektvolle Nutzung von Social Media. Die Nacht in der Wiese hatte an und für sich nichts weltbewegendes an sich, aber wenn es diesen 'Alpbach Spirit' wirklich gibt, dann war diese Nacht voll damit. Denn nur durch Alpbach, dem Forum oder auch dem College (wie die Alpbacherinnen und Alpbacher es nach wie vor liebevoll nennen) und dem damit verbundenen Volontariat haben wir uns kennengelernt, miteinander gearbeitet und dadurch unseren gemeinsamen Nachhauseweg entdeckt. Ohne all dem, inklusive Sternennacht, wäre nie unsere Freundschaft entstanden, die sofern ich für uns beide sprechen kann, wir doch sehr schätzen und auch rege pflegen.

Eine Freundschaft die uns seither fast täglich begleitet, sei es durch Postkarten, kurze Nachrichten oder das ein oder andere mal im Jahr, wo man sich persönlich trifft und herzhaft miteinander über Gott und die Welt plaudert, wie damals, in der sternenklaren Nacht, auf der Wiese.

© Elisabeth Prosser 06.09.2019