Die Geschichte läuft ganz anders

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Corona zwingt uns, einen Kokon um uns zu bilden. Aber! Cor-cooning heißt nicht, dass ich mich geschlagen gebe. Ich halte mich an die Vorschriften, natürlich. Doch ich hab dieses Corona ausgetrickst. Die Geschichte läuft nämlich anders… Cor (lat.), das ist einzig das Herz! Und so gebe ich meinem Herzen den wohlverdienten Platz im Kokon meines Zuhauses. Wie oft passiert es uns, dass wir im Getriebe des Alltags keine Zeit dafür finden, auf die leisen Töne unseres Herzens zu hören. Wie oft schieben wir scheinbar Notwendiges vor die Bedürfnisse unseres Herzens und unserer Seele. Wenn wir jetzt genau hinhören, sind sie laut und deutlich zu vernehmen. Die wahren Wünsche unseres Herzens sind denkbar einfach. Sie lauten Geborgenheit in der Gesellschaft, Sicherheit im Leben und Liebe in der Familie. Und ja, in der Art, wie wir das gerne leben möchten, hat sich gerade was gehörig verändert, hier gilt es nichts zu beschönigen. Genau darin liegt nun die Herausforderung dieser ambivalenten Zeit. Fluch oder Segen? Keiner weiß es genau.

Die Füße still zu halten ist schwierig, wo wir doch in den letzten Jahren nur das Schnellsein gelernt haben. Doch hier kommt wieder unser Cor ins Spiel, unser Herz. Es ist nur kurz für Sprints geeignet. Nur so bleibt es lange gesund. Wir sind auch nicht zum Dauermarathonläufer geboren. Die Evolution hat andere Mechanismen für uns geboren. Es braucht Zeiten, wo Stress seinen Platz findet und dann wieder Phasen der Ruhe. Lasst sie uns nutzen.

Und dann irgendwann, wenn wir diese Erfahrungen machen durften, könnten wir wieder neu starten. Ich gebe zu, wir wissen nicht, was passieren wird. Aber haben wir eine andere Wahl, als daran optimistisch fest zu halten? Der Verstand wird erst im Rückspiegel der Zeit analysieren und erklären können. Für mich ist das Leben zu wertvoll, um nicht daran zu glauben. Also werde ich, die ich es so liebe zu reisen, auch wieder in die Welt aufbrechen. Jedoch mit der noch stärkeren Gewissheit, dass die Heimat mein Ankerplatz ist. Der Ort, von dem aus ich mit großer Neugierde aufbrechen darf, an den mich die Leuchtfeuer aber auch immer zurück lotsen werden. Vorerst aber gilt es, Ängste und Sorgen zu beruhigen und der Stimme des Herzens zu lauschen.

Mögen jetzt manche diese Geschichte als rosarot abtun, das kann gut sein. Doch dann frage ich euch unverbesserliche Realisten…. Wie könnt ihr guten Verstandes daran glauben, alles könne ewig so weitergehen, wie bisher? Veränderungen haben den Menschen schon immer verunsichert, auch ich bin dagegen nicht immun. Doch genau das ist das Beständigste in unserem Universum. Und gegen das Universum anzukämpfen wäre nun wirklich dumm und lächerlich. Also zeige ich mich stark und mutig und frage weiter mein Herz: Was soll mir bleiben, wenn sonst nichts mehr ist, wie es war? Meine persönliche Definition für Cor-cooning – unsere Herzen beschützen uns!

© Elke Fürpaß