Ein Rauschen im Universum

Wir sitzen am Steg und sehen der Sonne zu, wie sie am Horizont im Meer verschwindet. Der Himmel offeriert uns sein unvergleichliches Farbenspiel. Am Ende hat der Tag wieder seine Schuldigkeit getan und der Abend als Vorbote der Nacht beginnt sein Werk. Noch einmal wird der Himmel zur Leinwand eines Künstlers, der in verwaschenen Farben eine Symphonie mit seinem Pinsel zaubert. Unsichtbar für unsere Augen vereinigen sich alle Zikaden dieser Insel zu einem einheitlichen Klangkörper, mächtig und doch beruhigend. Wir sind auf den Togian Islands in Indonesien.

Schauplatzwechsel, Wahiba Sands, Oman. Wie eine gefräßige, amorphe Masse breitet sich die Wüste überall dort aus, wo das Wasser aus den Wadis keine Chance hat, ihr Einhalt zu gebieten. Dieses Sandmeer ist nie gleich, verändert seine Farben je nach Tageszeit, verschluckt das spärliche Grün vereinzelter Pflanzen. Dem Auge erscheint dies fremd, die Abwesenheit von fast allem, diese Leere und gleichzeitige Fülle. Welch grandiose Erfahrung hier eine Nacht zu verbringen.

Temperaturwechsel, Tilicho Lake, Nepal. Die Nacht war nicht gut. Wir versuchen auf schmalen Holzpritschen bei Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt irgendwie ein Auge zuzumachen. Nicht so einfach auf über 5000 Meter Höhe. Der Körper lässt sich nicht beschummeln und versucht Sauerstoff zu bekommen. Wir schlafen in voller Montur und das dumpfe Grollen der abgehenden Lawinen singt uns ein Gute-Nacht-Lied. An Schlaf ist trotzdem nicht zu denken. Noch in der Dunkelheit des frühen Morgens startet unsere Königsetappe über den Mesokantopass, weiter über das Tilichoplateau bis nach Jomsom. Wer Besonderes erleben will, muss bereit sein, seine Komfortzone zu verlassen, muss bereit sein, über den Horizont des Alltäglichen hinauszuwachsen. Wenn der Kopf den Körper trägt, dann geht das – irgendwie.

Neue Reise, neues Glück - auf einem Flussdampfer von Mandalay nach Bagan, Myanmar. Auf wackeligen Holzbalken, die eine abenteuerliche Brücke zwischen Boot und Festland schaffen, balancieren Frauen Waren aller Art auf ihrem Kopf vom Festland an Bord. Wir sitzen am Boden zwischen den Einheimischen, die Fahrt dauert 15 Stunden statt der geplanten 8. Ich schenke dem kleinen Jungen neben mir einen kleinen Teddy. Es dauert einige Sekunden, bis er begreift. Dann strahlen mich die glücklichsten Kinderaugen an, die ich je gesehen habe. Sie bringen auch mich zum Strahlen.

Was macht es aus? Was macht das Reisen so wertvoll? Für mich sind es all diese Kleinigkeiten, die mein Herz berühren. Jene Momente, die an den Nachspann eines guten Kinofilms erinnern. Man möchte nicht aufstehen, möchte den Zauber nicht vertreiben, möchte dieses Nachklingen für immer behalten. Es sind jene Momente, in denen die Zeit still zu stehen scheint. Wie ein fernes Rauschen im Universum, das einen kurz berührt hat. Man kann es nicht fassen, wird es aber auch nie mehr vergessen.

© Elke Fürpaß