Freddy, die achtbeinige Ratte

Etwas Fluffiges streicht mir über die Beine, es zappelt irgendwie, ich kann es nicht einordnen. Groß kann es nicht sein, aber schnell, das auf jeden Fall. Ich sehe einen offenen Fahrstuhl, aber so einen alten, mit einer doppelten Gittertür. Die klemmt natürlich schon wieder, sie will einfach nicht aufgehen. Vielleicht aber bin ich dort dann sicher. Szenenwechsel. Rund um mich ist nur finstere Nacht, ich bin unter Wasser, habe keine Ahnung wo oben oder unten ist. Immer wieder flackert grünliches Licht von irgendwo her. Ich strample, drehe mich, versuche mich zu orientieren, höre es an der Wasseroberfläche poltern. Mit unzähligen Füßen trippelt da was über mir. Dort oben muss aber Luft sein, ich muss unbedingt da rauf, zapple ebenfalls, plötzlich ein tiefer Atemzug und ich hab wieder Sauerstoff.... und im selben Moment wache ich auf. Aus einem gruseligen, irrsinnig verworrenen und stumpfsinnig blöden Traum. Ich bin total verschwitzt und noch ganz leer im Kopf. Jetzt liege ich völlig verschwitzt auf meiner Matratze, Christian hat neben mir rein gar nichts mitbekommen und hätte ich auf Rettung gewartet, es wäre vergeblich gewesen.

Welch wunderbares Ding unser Gehirn doch ist. Nimmt alles auf, lässt nichts verschwinden, legt es irgendwo sicher ab. Und dann, durch irgendeinen Auslöser, gehen all diese Türen gleichzeitig auf und der Inhalt vermischt sich. Wie einem bunten Eintopf gleich, der die Reste der letzten Tage in sich aufgenommen hat. Ich muss über mich selbst lachen – ganz alleine, weil Christian schläft ja immer noch. Da mich die Faszination über mein Gehirn so übermannt, gehe ich alleine meinen Traum noch einmal durch und die Realität findet für fast alles eine Erklärung.

Wir sind gerade auf den Malediven, auf einer Einheimischen-Insel. Das kleine Häuschen, das wir unsere Unterkunft nennen, steht inmitten einer Tropenoase, die nachts mi mit grün leuchtenden Lichterschlangen illuminiert wird. Vormittags gehts immer zum Tauchen. Am Wochenende waren wir mit Bob und seiner Familie auf der Nachbarinsel, wo wir die achtbeinigen Riesenkrabben suchten und fanden. Wir lockten sie mit einem Stecken aus ihren tiefen Löchern. Mein Gehirn kann sich an diesen eigenartigen Seitwärtsgang nicht recht gewöhnen. Zu schnell, zu abartig, wie sie krabbeln. Und wenn wir von alle dem nichts machen, frönen wir dem Müßiggang oder ich lese weiter in meinem blutrünstigen norwegischen Krimi - und es erübrigt sich jetzt wohl zu erzählen, dass der Mord im Lift geschah.

Das Dach unserer Hütte besteht aus Sperrholzplatten und darüber ist ein Giebel mit Palmblättern gezimmert. Ja und dazwischen haust Freddy, die Ratte. Sobald wir uns abends zum Schlafen begeben, fängt da oben die Party an. Freddy läuft hin und her, trommelt mit seinen kleinen Füßchen gegen unser Dach und macht Lärm ohne Ende. Und da lebt er nun – und wahrscheinlich gemeinsam mit allem was ich sonst noch so erlebe auch weiter in meinen Träumen.

© Elke Fürpaß