Sehnsucht nach Topfenknödel und Apfelmus

Reisende wie wir sind grundsätzlich experimentierfreudig. Wer ohne das obligatorische Schnitzel am Sonntag nicht auskommt und maximal die Alternative Picatta milanese zulässt, weil da immerhin auch ein Schnitzerl dabei ist, der wird auf diesem Globus nicht weit kommen und muss leider in Caorle wieder kehrt machen. Schade aber eigentlich, denn die Vielfalt in den Kochtöpfen dieser Welt ist riesig. Auch unserem durchaus weltoffenen Gaumen hat nicht ausnahmslos alles gemundet, seine Vorlieben darf man sich schon erhalten. Schließlich geht alles, was wir riechen und somit dann auch essen ganz schnell in unser olfaktorisches Gedächtnis über, also in einen der ältesten und vielleicht auch weisesten Teile unseres Gehirns. „Von den süßen Früchten darfst du kosten ...“ hat schon Manchen vor Unheil und Tod bewahrt. Also erhalten wir uns doch unsere entwicklungsgeschichtlichen Erfahrungen, die unser Überleben gesichert haben, und vertrauen wir auf unseren bewährten Geschmackssinn. Wenn sich allerdings beim Kauen der Inhalt im Mund ganz von alleine ständig verdoppelt obwohl man doch denselben Mahlmechanismus anwendet wie immer, dann ist irgendetwas „faul“ an diesem Essen. Diese Erkenntnis habe ich mir zur Maxime erklärt. Doch ganz sicher gibt es keine Überlieferung, dass ein echtes Indisches Curry, ein Paneer butter marsala oder auch mal eine Thailändische Tom Yam nicht auch für Langnasen und Farangs wie uns ein echtes Highlight sein darf. Und zum Glück gibt es fast in jedem Land an irgendeiner Ecke einen Inder. Wobei ich zugeben muss, es gibt Länder, in denen meine Sehnsucht nach Topfenknödel mit der Anzahl der Aufenthaltstage exponentiell ansteigt. Dazu sei angemerkt, dass ich nämlich die besten Topfenknödel der Welt mache und Christian dazu das weltbeste Apfelmus!

Um sich auf die Küche eines Landes einzustellen, besucht man am besten den lokalen Markt. Die Gerüche dort haben mich schon immer überwältigt, lassen Geschmacksfantasien entstehen und machen das Bild von einem Land erst vollständig. Die Küche ist ein so wesentlicher Teil einer Kultur, dass man sich diesem gegenüber einfach nicht verschließen sollte. So waren wir demnach meistens sehr mutig und haben fast alles probiert – und sei`s auch nur ein einziges Mal!! Wirklich passen mussten wir aber bei Spinnen, Käfern, Schlangen, Ratten, Fledermäusen und Hunden. Dieser Anflug an heiklem Getue sei uns gestattet. Ja und für Christian gibt es ein Kraut, das in kein Essen kommen darf – frischer Koriander. Er kennt den Namen dieses Gewürzes in allen Sprachen unserer Reiseländer: „no korianer, no dania, no nanamè, no baktschii....“ Und leider gilt auch bei uns zu Hause korianderfreie Zone und so musste mein geliebter Koriandertopf zu Hause das Küchenfenster verlassen. Ja die einen, dazu zähle ich, lieben ihn, den anderen ekelt vor seinem seifigen Geschmack. Die Liebe zu Christian ist stärker und ich übe mich in Verzicht – ein Frauenschicksal.

© Elke Fürpaß