Wie hält man so viel Nähe aus?

„Ihr seid gut 6 Monate im Jahr auf Reisen. Wie hält man so viel Nähe aus?“ Eine häufig gestellte Frage. Hier gibt es natürlich kein Patentrezept, es verlangt eher nach einem Plan, so denke ich. Wir haben ein perfektes „Gesamt-Beziehungs-Paket“ geschnürt. Es ist ein lebenslangen Prozesses und für mich steht fest: die Liebe alleine reicht nicht aus, sie ist zu anfällig, zu sensibel, könnte womöglich nicht überdauern. Es braucht vielmehr eine definitive Entscheidung für EINEN GEMEINSAMEN WEG. Nur diese klare Richtung, so glaube ich, kann uns den nötigen Mut, die Kraft und Zuversicht geben, um in diesem Lebenslabyrinth dem nie weichen wollenden Hausgeist Zweifel trotzen zu können. Das heißt also, es ist nicht immer leicht und es ist auch nicht immer gut. Aber vorweg, wir gehen uns noch immer nicht auf die Nerven, auch nicht während langer gemeinsamer Reisen! Aber natürlich, das Leben hat sich für jeden von uns verändert. Und jede Veränderung bedeutet auch ein Abwenden vom Alten. Anders ist es nicht möglich. Es geht also wieder um Entscheidungen. Auch das kleine Monster „Bequemlichkeit“ ist mit den Jahren immer häufiger mit an Bord. Aber dies gilt es abzuschütteln um in der Zweisamkeit immer wieder das Besondere zu entdecken. Diese Momente sind der größte Gewinn der letzten 10 Jahre.

Die Entscheidung für unseren gemeinsamen Weg ist also bereits gefallen, die Entscheidung weiterhin zu reisen auch. Da sich jedoch unsere Bedürfnisse nicht immer zu 100 Prozent decken, gilt es eine Lösung zu finden, eine gemeinsame. Es gibt Zeiten, da möchte ich gerne eine Reisepause einlegen, möchte mein Zuhause genießen, all das, was mir vertraut ist, und möchte das Fremde draußen lassen. Diese Zeiten erlebe ich öfter als Christian. Das ist der Moment, in dem man innehalten sollte - jeder für sich. Wir müssen dort hinhören und hin spüren, wo jeder von uns gerade steht, und dies ist nicht immer derselbe Punkt. Das sind dann jene schwierigen Momente im Leben, die wohl jeder kennt. Bei sich zu bleiben, den eigenen Weg zu definieren und trotzdem miteinander zu gehen: Seite an Seite, Schritt für Schritt, und ab und zu auch auf dem Weg des anderen.

So irgendwie sollte es funktionieren, miteinander und trotzdem auch für sich. Und es wäre nun vermessen zu behaupten, dass uns dies in jedem Augenblick immer perfekt gelingen würde. Nein, dies tut es nicht. Doch wir finden immer wieder zu einer Lösung oder einem Kompromiss, können wieder einen gemeinsamen Weg gehen.

Und wenn dann diese Zeit der Reisepause für mich wieder langsam ein Ende findet, dann kommt auch wieder meine Bereitschaft, ja, meine Sehnsucht aufzubrechen. Irgendwann werden alle schönen alten Erinnerungen wieder an die Küste gespült, und dann sind sie wieder da ... die Bilder, die Empfindungen, Gerüche, Geräusche und Gefühle. Und dann, wenn sich meine Sinne wieder nach fremden Eindrücken sehnen, dann zieht es mich wieder in diese Welt hinaus und eine neue wunderbare gemeinsame Zeit beginnt.

© Elke Fürpaß