Wie war`s heute am Klo?

Man kann jetzt darüber lachen oder womöglich finden manche diese Frage auch geschmacklos. Ich kann nur sagen, sie ist verdammt wichtig! Von der Antwort nämlich hängt auch ein Teil des Wohlbefindens auf Reisen ab. Vielleicht ist es auch ein bisschen mehr ein Frauenthema, das könnte man einräumen, aber wichtig ist es allemal. Jeder und eben speziell jede kennt das doch, jenes morgendliche Ritual: aufstehen, 15 Minuten im Bad, anziehen, frühstücken und dann jener entscheidende Moment, der die Morgenaktivitäten vor Arbeitsbeginn erst komplett macht. So, und eben nicht anders, hat ein guter Morgen zu beginnen. Nur läuft das im Ausland nicht ganz so. Mein Darm wundert sich immer wieder aufs Neue, welch eigenartige Bakterienspezies ich ihm da zumute und nicht selten geht er in Oppositionshaltung und ruft zum Streik auf. Dann heißt es Geduld aufbringen und nichts erzwingen, sonst läuft alles auf einen längerfristigen Generalstreik hinaus. Oft trägt das „gemeine Guesthouse-Klo“ auch nicht motivierend dazu bei. Nämlich dann, wenn wir bei der Wahl unserer Unterkunft auf die genauere Inspektion der Waschräume wieder mal vergessen haben.

Auf Reisen wird mir ganz schnell klar, dass wir unseren männlichen Mitreisenden gegenüber eindeutig benachteiligt sind. Wie oft beneide ich Christian, wenn er sich einfach kurz mal seitlich vom Auto wegdreht, sich Erleichterung verschafft und alles ist geregelt. Kein Fahrer, kein Mensch auf der Straße, einfach niemanden kümmert es. Ich kann schon wieder Klimmzüge machen, um nicht unzählige Augenpaare auf mich zu ziehen. Wie oft habe ich in Indien auf die Frage nach einem WC zur Antwort bekommen „backside open“. Wenn aber „backside open“ kein schöner heimischer Fichtenwald ist, sondern einfach nur Häuser, verdorrte Büsche und ein ekeliges Rinnsal sind, was hilft mir diese Antwort dann?

Die spannendste Erfahrung hierzu machte ich allerdings in Guatemala, ein Land prädestiniert für lange Überlandbusfahrten. Soweit so gut, der Bus bleibt schon auch mal stehen, aber wieder gilt „anywhere outside“. Die Guatemaltekinnen haben sich dazu allerdings was sehr Praktisches einfallen lassen. Ich nenne ihn den Pinkelrock(!) – akribisch verwaltet vom Busfahrer. Ein bodenlanger Rock mit Gummizug dient der „Bedürftigen“ als Kabine, mit der man sich ganz lässig seitlich neben den Bus an den Straßenrand hockt. Und dann wird der Rock weitergereicht, und weiter, und weiter... bis er auch bei mir gelandet wäre. Nein danke, sage ich da – da probiere ich mein Glück doch eher anderswo im „anywhere outside“. Und das gute Stück gelangte wieder in die Hände des Busfahrers – bis zum nächsten Pinkelstopp.

Und aufgrund all dieser Erlebnisse koppelt sich an jedes Ende unserer Reisen auch der Gedanke an unser schönes, sauberes Klo zu Hause. Andere Länder, andere Sitten, und einige davon lassen wir schön dort, wo sie sind!

© Elke Fürpaß