Zu zweit auf 12 m²

Seit nun drei Jahren reisen wir mit Styros - einem 12-Tonner mit 8 Metern Länge. Auf 12 m² stehen uns Bett, Küche, Tisch, Klo und Bad zur Verfügung. Wir genießen diese Reisen sehr, Paartherapie inklusive!

Es liegt in der Natur der Sache, dass wir Frauen uns für gewöhnlich nicht so sehr mit technischen Details auseinandersetzen. Es macht ja nun auch wenig Sinn, wenn ich über Einzelheiten aus unserem Sicherheitskasten referieren könnte und am Ende dennoch kein g`scheites Essen aus der Küche rauskommt. Da hätte „Mann“ dann auch wieder keine Freude. Auch ist es völlig nutzlos zu wissen welches Endgerät nun 12 oder 24 Volt benötigt, wenn das Saubermachen des mobilen Hauses mit Putzlappen und Wasser von statten geht.

Auch mit optischen Täuschungen verhält es sich ähnlich. Der Abstand des rechten Hinterrades zur Gehsteigkante kann nun 20 cm oder vielleicht auch ein bisschen weniger sein. Wir Frauen sind mit diesen Abmessungen einfach toleranter. Es geht doch um Augenmaß und nicht um eine Doktorarbeit. Und im Übrigen sind meine Handzeichen zur Darstellung wie weit das Heck von der Mauerkante entfernt ist, so eindeutig wie die Zutaten eines Kuchens. Aber den kann „Mann“ halt leider auch nicht backen.

Aber das größte Mysterium ist und bleibt jenes der Orientierung. Nicht im Leben, nein, auf so einer depperten Karte, auf der anscheinend von männlichen Autoren alles so fitzelklein gedruckt wurde, dass es während holpriger Fahrt unmöglich lesbar ist. „Antizipieren, vorausschauen…. Sieh dir die Umgebung an…“ tönt es lautstark an mein Ohr. Ja danke! Darauf werde ich mich besinnen und mein Gegenüber daran erinnern, wenn das nächste Mal „angeblich“ kein Bier im Kühlschrank zu finden ist. Und ich möchte anmerken, hier handelt es sich dann um eine übersichtliche Box von 1m x 50cm, in der „Mann“ sich nicht orientieren kann, nicht um eine fast unlesbare Karte, die sich aus Platzmangel nicht ausbreiten lässt. Abgesehen davon haben wir Frauen ja eine Lösung parat, eine recht einfache sogar: „Schatz, lass uns rechts ranfahren, nochmal in Ruhe auf der Karte nachschauen und gegebenenfalls umdrehen“. Ich höre nun förmlich alle Frauen schallend lachen - ein gar unmöglicher Vorschlag, ich weiß. Bloß, warum geht das nicht? Und welch absurdes Ansinnen zu glauben, wir könnten das Problem auf kommunikativem Wege lösen. Unabwendbar öffnet sich die Büchse der Pandora und verbale Plagen prasseln auf uns hernieder. Spätestens hier frage ich nicht weiter nach – ICH bin ja lernfähig! Gefragt sind also die Fähigkeit zur Reflexion, besonnenes Nachdenken, je eine Portion Gelassenheit und Nachsicht und das Eingeständnis zu zeitweiligen kleinen Misserfolgen – und schon wäre eine gelungene Kommunikation das Ergebnis. Die Formel ist klar, die Umsetzbarkeit in der Realität scheint unmöglich.

© Elke Fürpaß