Eine Hommage ans Leben !

Als kleines Mädchen mit zwei Jahren trifft man keine Entscheidungen für die Zukunft. Das machen die Eltern, in den meisten Fällen die Mütter. So auch bei Sandya, Tochter indischer Einwanderer in Uganda, Anfang der siebziger Jahre.

Der Massenmörder Idi Amin hat sich gerade an die Macht geputscht und erschlägt seine Gegner mit brutaler Gewalt, einfach so. Mit seiner Machete. Das Blut von über 300tausend Menschen klebt an seinen Händen. Später erfährt die Welt, dass er die Leichen an Krokodile verfüttert hat, weil nicht genug Gräber verfügbar waren.

Amin will Uganda von allen Einwanderern säubern. Viele stammen aus Indien, deren Eltern oder Großeltern bereits vor Jahrzehnten ins Land gekommen waren. Ihnen allen stellt er ein Ultimatum: Verlässt Uganda innerhalb 90 Tagen,sonst...

Sandyas Eltern glauben, dass dieser Albtraum schnell vorübergeht und, dass sie in Uganda bleiben können. Sie warten jeden Tag voller Hoffnung, aber die Uhr tickt. Tag 90 des Ultimatums: Am Flughafen in Kampala stehen die beiden letzten Flieger der UNO, die die Flüchtlinge in Sicherheit bringen können– einer nach Kanada, einer nach Europa. Sandyas Mutter entscheidet sich für Europa, weil sie hofft, dass es dort die besseren Schulen gibt. Die kleine Tochter an der Hand, den einjährigen Sohn auf dem Arm, ein kleiner Koffer mit Klamotten, so beginnt die Reise ins Unbekannte. Kein Geld, keine Wertsachen aber viel Angst vor der Zukunft- Die Familie landet in Traiskirchen. Sie sprechen kein Wort Deutsch, Sandya hat keine Spielkameradinnen, Mama India, ihre Mutter, hält die Familie zusammen. Mama India deshalb, weil sie gerühmt wird für ihre Currys, gekocht mit indischen Gewürzen, die sie irgendwo auftreibt. So bewahrt die Mutter einen kleinen Rest Indien in den Herzen ihrer Familie. 1 Jahr im Gruppenlager, Sandya’s kleiner Bruder bekommt auch noch eine schwere Lungenentzündung— Tiefpunkt! Doch irgendwie findet der Vater einen Job- Endlich ! Raus aus dem Flüchtlingslager ! Wieder auf eigenen Beinen stehen. Licht kehrt zurück in die kleine indische Familie. Sandya darf einen Kindergarten besuchen und beginnt Freundschaften zu schließen. Das Trauma der Flucht verblasst, aber Sandyas Liebe für Curry und farbenfrohe Kleider bleibt – indische Wurzeln eben. Und noch etwas bleibt, ja wächst mit ihr mit: Ihr unerschütterliches Vertrauen ins Leben, ihr Glaube an das Gute im Menschen, ihre Freude auch über die kleinen Dinge. Vorgelebt von Mama India, weitergegeben an ihre Tochter - trotz tragischer Entwurzelung. Niemand aus der Familie war je wieder in Uganda. Sandya ist jetzt 49 Jahre alt und seit 10 Jahren ein mir sehr wertvoller Mensch und eine liebe Freundin an meiner Seite. Sie geht aufrecht durchs Leben und nimmt dieses wie es kommt. Mama India kocht noch immer das beste Curry der Welt. Danke, dass du sie so gut durchs Leben begleitet hast und euer Weg euch hierhergeführt hat !

© Elke Steiner