Gib niemals auf!

Wieder mal die alte Leier ... zuviel Fernsehen ist nicht gut für dich! Einem Vierjährigen zu erklären, warum Fernsehen für ihn schlecht sei, dass es passiv und müde mache,die Interaktion fehle, die dritte Dimension also das räumliche Denken dabei zu kurz kommen würde ... gleicht wohl einem dreistündigen Vortrag der Relativitätstheorie vor hungrigen Kindergartenkindern.

Es war die Zeit, als mein Jüngster das Fernsehen für sich entdeckt hat. Er wurde ein richtiger Serienjunkie - es war die erste Frage nach dem Aufstehen, die erste Frage nach dem Kindergarten, nach dem Mittagessen... ich war sichtlich genervt! Beim dritten Kind wird man etwas großzügiger was Süßigkeiten, länger aufbleiben oder eben auch das Fernsehen betrifft. Insbesondere diese eine Serie hat es ihm angetan- Yakari.

Es dreht sich dabei um einen kleinen, neugierigen und mutigen Indianerjungen, dem seine Ahnen Weisheiten ins Ohr flüstern und der mit Tieren sprechen kann. Im Park basteln wir fleißig Pfeil und Bogen aus Haselnußästen, eine Chipsdose wird zum Köcher und Sohnemann ist voll in seinem Metier. Im Wald und in den Weidentipis des nahegelegenen Parks werden imaginäre Lagerfeuer gezündet, und darauf die erlegten Bisons gebraten. Das alles macht ja riesigen Spaß aber kaum zu Hause angekommen ist es sofort wieder da .... Thema Nummer Eins: Fernsehen! Mama ist totmüde und gibt nach !

Am nächsten Tag fahren wir zum See, durch ein Stück Wald erreichen wir einen abgelegenen Naturbadestrand. Ein heißer Tag, der See aber noch eisig kalt. Sohn springt vergnügt ins kalte Nass, ich bleibe mit Wasser bis zu den Knien stehen. „Sei immer mutig sagt der Alte Weise!“ Ich muss lachen und stürze mich mutig und mit einem lauten Schrei in den 19 Grad kalten See. Herrlich! Wie recht er hat ! Abends zieht ganz plötzlich ein Unwetter auf. Innerhalb weniger Minuten verdunkelt sich der Himmel und es beginnt auch schon zu regnen und zu blitzen! Schnell packe ich unsere sieben Sachen zusammen und will raschestmöglich aus dem Wald raus. Zum Auto waren es noch gut 15 Minuten, das Unwetter wird heftiger. Schon etwas durchnässt fall ich auch noch über eine Baumwurzel in den Matsch. Sohnemann bemerkt meine Angst, sieht mir in die Augen und meint: „Gib niemals auf sagt der Alte Weise!“ Wieder muss ich trotz Angst & Eile schmunzeln. Endlich am Ziel springen wir ins Auto und fahren bei strömendem Regen, Donnern und Blitzen nach Hause.

An diesem Abend mache ich selbst den Fernseher an und frage meinen Sohn, ob er nicht Yakari sehen möchte. Was für ein gemütlicher und entspannter Couchabend mit meinem kleinen Weisen!

© Elke Steiner