Me & my Coffeemakers

Schon als Kind hatte ich angeblich ein Auge für Schönes und war immer schon eine leidenschaftliche Sammlerin. Doch anstatt seltener Muscheln, Steine und Schwemmholz wurde daraus eine Sammlung besonderer Kaffeemaschinen aus aller Herren Länder.

Begonnen hat diese mit 3 wunderbaren, alten, bauchigen Wiener Kayser Espressomaschinen aus den Fünfziger Jahren, die mir mein Vater geschenkt hat, als ich 16 war. Jemand wollte sie entsorgen. Für mich war das unerklärlich etwas derart Schönes wegzuwerfen. Von nun an suchte mein Auge sämtliche Trödelmärkte auf alte Kaffeebereiter ab. Irgendwann begann ich mir Literatur darüber zu besorgen und mir das nötige Wissen dafür anzueignen. Dabei erfuhr ich auch viel über die verschiedenen Kaffeekulturen auf der Welt und die unterschiedlichsten Zubereitungsarten. Besonders die Wiener Kaffeehausliteraten faszinierten mich. Damals hatte man noch keine Kaffeemaschine zuhause, das war unleistbar. Das Kaffeehaus war eine Art zweiter Wohnsitz. Für eine Tasse Kaffee durfte man dort Stunden verbringen und so sparte man zuhause Heizkosten. Manch einer ließ sich sogar die Post ins Café schicken. Dort wurde heiß diskutiert, philosophiert und es entstand so mancher Literaturklassiker. Mittlerweile bin ich 44 und stolze Besitzerin von 300 Kaffeekochern aus 4 Jahrhunderten unterschiedlichsten Designs und Funktionsweisen, Materialien und Handwerkskunst. Von afrikanischen und arabischen Kaffeekochern, die über das Feuer gehalten wurden, über die ersten Zinnkannen ( Dröppelminnas ), die ersten Filterkannen, Filter-Press- Bereiter, die ersten Dampfdruckgeräte also Espressomaschinen , Vacuum-Glaskaffeebereiter deren Hochzeit nach der Erfindung des feuerfesten Glases war, Samoware & Kaffeeurnen, Emailkannen, Reisekaffeekochern, über die ersten elektrisch betriebenen Maschinen, Perkolatoren & Aromatoren , Handhebelmaschinen bis hin zu Autokaffeemaschinen etc. gibt unzählige Varianten. Immer noch bin ich fasziniert von der Vielfalt und den schönen Details der Maschinen und es ist wahrlich eine Passion daraus geworden.

Jedes neue Fundstück lässt mein Herz höher schlagen und meine Kaffeegeschichte wachsen. Wohl braucht es einen gewissen Grad an Verrücktheit, so eine Sammlung aufzubauen, aber die Passion hat gesiegt. Wer weiß, wo sie eines Tages landen werden. Nicht alle Stücke haben in der Wohnung Platz, aber meine Lieblinge sind natürlich im Regal und manchmal stehe ich davor und stelle mir all die Dinge vor, die sie erlebt haben, beginne dabei Kaffee zu riechen und würde zu gerne ihren Geschichten lauschen. Seit einem Jahr bin ich in einer italienischen Kaffeemaschinensammlergruppe mit Lucio del Piccolo. 18 Collezinisti (Sammler) von jung bis alt, die mich herzlich aufgenommen haben und die ich auch gleich ins Herz geschlossen habe. Gleichgesinnte Verrückte? Vielleicht. Auf jeden Fall gemeinsame Leidenschaft! Und ja, echt viel Spaß an der Sache!

© Elke Steiner