1,2,3 ...Erster!

Ein Riesenbauch. Platz gebraucht hast du ganz schön viel. Die letzten Tage vor der Entbindung habe ich gezählt. 4 Tage über dem Termin, der Bauch kann doch gar nicht mehr größer werden. Von Schlaf war auch keine Rede mehr. Ich kam mir vor wie ein Walfisch, ein gestrandeter. Wahrscheinlich schwebte mir deshalb eine Wassergeburt vor. In meiner Vorstellung lag ich im warmen Wasser, höre leise Musik ,atme mit den Wehen und du flutschst dann irgendwie locker raus und alle sind glücklich.

Leider war ich in der Wanne tatsächlich dermaßen tiefenentspannt, dass sich jeglicher Ansatz einer Wehe sofort in Luft auflöste. Also musste ich wieder raus - heftige Wehen - rein - nichts - raus - heftige Wehen - wieder rein - nichts. Eine Step-Aerobicstunde mit Gewichtsgurten war echt nichts dagegen. So ging das einige Zeit, bis wir beschlossen nun doch ins Krankenhaus zu fahren um dort zu entbinden. Ich rannte geschätzte 50 Runden um das Bett im Kreissaal. Sitzen, liegen war alles nicht mehr möglich. Meine Hebamme brachte mir alsbald einen starken Espresso, das sollte die Wehen fördern. Irgendwie wolltest du lieber im Bauch bleiben, in Sicherheit. Ich merkte, wie mich die Kraft verließ. Plötzlich warf sich mein Gynäkologe auf mich drauf und schob dich kräftig nach unten während ich kurz davor war ihn, vor Schmerz, kräftig zu beißen. So hatte ich mir das alles nicht vorgestellt. Sein Glück war eine weitere Presswehe, die mich davon abhielt. Der Grund für die Hektik waren deine Herztöne. Meine letzte Kraft ging in die nächste Presswehe, mit der dich die Hebamme mit gekonntem Griff rausdrehte und da, plötzlich lag ein kleines, warmes , weiches Etwas auf meiner Brust, das mit seinen kleinen Knopfaugen neugierig in die Welt blickte. Nun warst du da, du kleines Wunder, du und ich. Nun war ich wirklich Mama. Mein erstes Kind, mein Pilotprojekt. Es gab kein Zurück. Werde ich alles richtig machen? Werde ich dich beschützen können? Wirst du mit mir zufrieden sein? Werde ich die große Verantwortung tragen können? Nun bin ich Mama, ein Leben lang. Wir werden ein gutes Team sein, das hab ich gleich gespürt.

Deine 3-Monatscholiken weiteten sich auf mindestens 2-Jahrescholiken aus und haben dich sehr geplagt, sowie die heftigen Zahnschmerzen. Nächtelang wurdest du getragen, auch untertags hast du dem Kinderwagen nur einen verächtlichen Blick geschenkt. Das Tragetuch war definitiv dein Lieblingsplatz. Wilde Zeiten für uns beide, aber wir haben es überlebt. Und wenn dir gerade mal nichts wehgetan hat, hast du sofort dein breitestes Lächeln aufgesetzt und da wußte ich, dass alles gut war. Die dunklen Schlafmangelaugenringe in Kombination mit meinem Eisenmangel sahen schon ziemlich furchterregend aus, aber Du hast mich trotzdem angestrahlt. Da war ich so richtig Mama.

Deine ersten Schritte hinter dem Staubsauger, dein erstes Wort war "nein" , oh mein Gott, war ich zu streng? Jetzt bist du ein Teenie und ich bin mächtig stolz auf dich.

Happy Birthday, junger Mann!

© Elke Steiner