Auch das Christkind fährt Bahn

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Als kleines Mädchen wünschte ich mir sehnlichst einen Puppenwagen vom Christkind. In meiner Fantasie spielte ich schon mit der Puppe und legte diese zum Schlafen in den Wagen. Meine Mutter merkte wohl wie stark mein Wunsch war und so fuhr sie also kurz vor Weihnachten mit dem Zug nach Salzburg. In der Getreidegasse kaufte sie einen wunderschönen blauen Puppenwagen mit einem weißen Streifen rundherum. Zurück am Bahnhof, verstaute sie das Geschenk im Zugabteil und fuhr wieder Richtung Heimat. Von der Ausstiegsstelle waren aber noch viele Kilometer zu Fuß und bergauf zurückzulegen.

Am Hl. Abend stand er nun da der Puppenwagen neben dem Christbaum in unserem Wohnzimmer und er war so wunderschön . Ich wagte gar nicht damit zu spielen! Ich muss dazusagen, dass ich bis dahin keine Spielsachen besaß. Meine Geschwister und ich spielten mit unseren Tieren am Hof, bastelten und bauten mit Holz und Tannenzapfen Häuser und Ställe oder spielten mit den Steinen am Bach. Die Zeit zum Spielen war ja zu dieser Zeit sehr begrenzt, denn viele Arbeiten am Hof mussten von uns Kindern übernommen werden und glauben sie mir, Arbeit gab es für jedes Alter genug, daher schätzten wir die Zeit fürs Spielen umso mehr.

Mein Puppenwagen war aber leider leer! Die Puppe dazu ging sich wohl nicht mehr aus. Ich überlegte nicht lange, ich legte unsere Katze hinein und deckte sie gut zu. Sie genoss dieses kuschelige Bett und wollte gar nicht mehr heraus. Sogar ihre Jungen legte sie mir in den Puppenwagen. Stolz schob ich die Kleinen durch die Gegend. Eines Tages fand ich sogar eine Maus darin. Ich wärmte sogar ganz kleine Kücken unter der Decke. Wenn ein gerade geborenes Kälbchen Platz im Puppenwagen gehabt hätte, hätte ich wohl auch dieses hineingelegt.

Wenn ich heute Bahn fahre, ist mir diese Weihnachtsgeschichte ganz nah!

© Elsam 04.11.2019