Falsch verbunden

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Falsch verbunden | story.one

Ich gebe zu, ich war in meiner Männerwahl immer sehr heikel und wirklich gepasst hat mir keiner. Die größte Niete wurde aber letztlich mein Ehemann. Und das nur, weil er toll aussah und sich gut verkaufen konnte. Vor drei Jahren wurde ich geschieden und seither führe ich mit meiner dreijährigen Tochter eine "2-Mäderl-WG".

Zwei Jahre vor meinem Ehemann lernte ich Adam kennen, einen smarter und stattlichen Mann, adeliger Abstammung. Wir waren mehrmals gemeinsam essen und er war um mich bemüht - genau so wie frau sich das eigentlich wünschen würde. Aber die Schmetterlinge blieben aus. So ließ ich den Kontakt langsam wieder abflauen.

Während ich an einem Dienstagvormittag in der Arbeit saß, klingelte das Telefon. Eine sehr vertraute Stimme meldete sich. "Entschuldigung, ich möchte gerne Herrn Dr. Bergmann sprechen." Mein Herz machte einen Satz, ehe ich antworten konnte. "Sie sind leider in der falschen Abteilung, aber ich verbinde Sie gerne!" Vorher gab ich mir einen Ruck, denn ich musste wissen ob er es ist! "Adam, bist du das?"

Ich spürte, dass auch er sehr überrascht und gleichzeitig erfreut war, mich zu hören. Nach einem kurzen Smalltalk verabredeten wir uns gleich am nächsten Tag zum Kaffee.

Ich erkannte ihn sofort. Immer noch klassisch gekleidet, gepaart mit demselben eleganten Auftreten wie eh und je. Ich freute mich sehr ihn zu sehen.

Beim Kaffee erzählte ich ihm meine Geschichte und er hörte aufmerksam zu. Nach seiner Reaktion wusste ich, welch tollen Mann ich mir damals durch die Lappen gehen ließ. Ohne zu bewerten sagte er ruhig zu mir, ich solle meinen Ex nicht dafür verurteilen, dass er mich schwanger sitzen ließ, sondern dankbar sein, dass er mir das Wertvollste im Leben geschenkt hat: Meine Tochter.

Er war inzwischen auch verheiratet, hatte zwei Söhne und seine Ehe ist bereits nach drei Jahren mehr Zweckgemeinschaft als Liebe. Aber der gesellschaftliche Status und die finanzielle Situation ließen keine Scheidung zu.

Bei der Verabschiedung spürte ich, dass er mir immer noch sehr zugetan wäre und die nächsten Tage bestätigten mein Gefühl. Er machte mir immer wieder am Telefon Avancen und wollte sich treffen. Offensichtlich war er einem außerehelichen Abenteuer nicht abgeneigt. Natürlich spielte auch ich im Gedanken mit dem Feuer und fragte mich wie es wohl wäre. Doch eine betrogene Frau weiß wie es sich anfühlt nicht die Geliebte, sondern die Hintergangene zu sein. Nein, es wäre nicht das Richtige.

So beschloss ich, ihm klar und deutlich zu sagen, dass ich sicher keine Zweitfrau bin. Er reagierte ließ mich fortan in Ruhe. Unsere Wege kreuzten sich berufsbedingt noch die nächsten 30 Jahre, aber wie es von ihm zu erwarten war verhielt er sich wie ein Gentleman.

Lange Zeit stellte ich mir die Frage "was wäre, wenn...."

Die Antwort bekam ich 14 Jahre nach unserem Wiedersehen: Seine Frau wurde nochmals mit einem Mädchen schwanger....

© Emilia Wahsner 16.07.2019