Viele kleine Dinge

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Viele kleine Dinge | story.one

Jetzt sitze ich da, ratlos, die Computertastatur vor mir und denke nach. Eine Kurzgeschichte schreiben. #volldasleben. Das kann doch nicht so schwer sein. Ich schreib schließlich öfter mal was, auch für Wettbewerbe.

Aber jetzt ist mein Hirn wie leergefegt, all die Satzanfänge und Formulierungen, die mir sonst immer durch den Kopf gehen, sind verschwunden. Einfach weg.

Über was soll ich nur schreiben? Ich denke an die Situation, in der sich mein Drachen beim Drachensteigen im Hausdach des Nachbarn verfangen hat und er hinaufklettern und ihn wieder runterholen musste. Oder an den Tag, an dem wir sicher 2 Kilometer mit Plastikschuhen und Proviant durch den Bach gewandert sind.

Alles schreibwürdige Geschichten, die auch sicher bei den Lesern Anklang finden würden. Ich weiß auch nicht, warum ich zögere, sie nieder zu schreiben. Vielleicht hoffe ich, noch heute etwas so Herausragendes zu erleben, dass ich eine Story erzählen kann, die alles sprengt. Oder ich will einfach nicht über so etwas Normales schreiben.

Ich könnte schreiben, wie es mir mit Homeschooling und Social Distancing geht. Ich könnte den Tag beschreiben, an dem ich den Metalldetektor bekommen habe oder über die atemberaubende Skiwoche.

Ich weiß auch nicht, warum ich jetzt die Hände auf die Tastatur lege, und zu schreiben beginne, eine Geschichte, die es eigentlich gar nicht würdig ist, sie zu erzählen. Und doch mache ich es, beginne mit dem ersten Satz, wage mich immer weiter vor.

"Es war der schönste Tag, aufzuwachen und gleich die Vögel zwitschern zu hören.", schreibe ich. Etwas ganz Banales, das es öfter gibt.

Was mir nur nie auffällt ist, dass die vielen kleinen, besonderen Dinge die Dinge sind, die meinen Tag perfekt machen. Vogelgezwitscher beim Aufwachen, frische Semmeln zum Frühstück, einen liebevollen Kuss des kleinen Bruders.

Jetzt habe ich die Geschichte, die ich schreiben will. Von dem perfekten Tag, der sich aus lauter kleinen Dingen zusammensetzt, die man zuerst gar nicht merkt, die es aber sind, die unseren Alltag besonders machen. Denn das ist Leben!

#volldasleben

© Emma Holl