Das Kaffee-Paradox

Der Raum ist dunkel, dicht aneinander gedrängt stehen wir im Vorlesungsraum. Vom kalten Winter ist hier drin nicht viel zu merken, die Luft ist stickig, alle starren auf denselben Bildschirm. Von der Einheit ist noch nicht sonderlich viel vergangen.

Leichte Übelkeit steigt in mir auf, ich habe meinen Kaffee zu schnell getrunken. 3 Euro und 80 Cent wieder einmal teuer investiert, wieder dem Drang nachgebend, den Vormittag mit dem Konsum des Kaffees aus dem Coffeeshop erträglicher werden zu lassen. Wieder dem Paradox standgebend, dass sich die Selbstverständlichkeit, diese Summe für eine kurze Bedürfnisbefriedigung am Tresen des Kaffeehauses auszugeben, sofort einstellt, während sich bei einem Preis von 3,60€ für eine Packung Bio-Eier, mit der ich über eine Woche auskomme, sogleich ein Widerwille auftut, wenn die um 20 Cent billigere Variante direkt daneben steht. Das ist dann doch sofort viel zu teuer.

Und trotzdem folge ich immer wieder dem Ruf des Verlangens, den Kaffee nicht zuhause aufzustellen und einfach in einer Thermoskanne mitzunehmen, sondern den Kaffeebecher vor Ort befüllen zu lassen. Ein bisschen mehr Müll in Form von To-Go-Bechern in die Welt zu setzen. Man will ja schließlich seine Spuren hinterlassen. Beim Gedanken an den Preis tröste ich mich damit, dass es wenigstens jeden 11. Kaffee umsonst gibt. Dafür lohnt es sich wohl, die 10 Male davor das Geld für einen Wocheneinkauf an Lebensmitteln für das Gebräu, welches aus einer anderen Kaffeemaschine als meiner eigenen kommt, die Milch aus einer anderen Milchpackung, zu bezahlen. Ein kurzes Glücksgefühl, das ich mir erkaufen kann, jedoch unweigerlich gefolgt von einem Gefühl leichter Enttäuschung , wenn sich der Becher mehr und mehr leert, die Sehnsucht nach noch einem Tropfen allgegenwärtig. Aber man muss ja lernen, mit Enttäuschungen umzugehen und somit habe ich beinahe täglich die Möglichkeit, mich darin zu üben. Zwei Fliegen mit einer Klappe um nur 3,80€, eigentlich drei, wenn man die angeblich wachmachenden Wirkung von Koffein mit einberechnet. Doch mein Körper beschließt wie immer, diesem Phänomen nicht zu folgen und so finde ich mich meinem leeren Becher im selben Stadium der Müdigkeit gegenüber wie zuvor.

Meine Gedanken schweifen ab, ich höre meine Kommilitonen sprechen, doch der Sinn ihrer Worte kommt nur begrenzt bei mir an. Denn begrenzt ist auch der Kaffee in meinem Becher und in meinem Kopf bin ich mit der Bewältigung des Missmutes darüber beschäftigt, dass eine nochmalige koffeingetränkte Zufriedenheit meine studentisch charakteristisch eher leere Geldtasche erneut einer Belastungsprobe unterziehen wird, zugleich wissend, dass ich der Versuchung morgen trotzdem nicht widerstehen werde können, das Kaffeehaus noch vor der Uni zu betreten.

© Emma_Adlers