Eine Liebeserklärung

Kurz glaubst du du kannst es.

Jetzt kannst du's.

Du bist ganz nah dran an diesem einen Moment.

Für den Bruchteil einer Sekunde fühlst du es.

Jetzt ist der Augenblick da.

Du spürst dein Herz, das den Satz mit jedem Schlag weiter und weiter deine Kehle hinauf pumpt,

hinaufschiebt, bis er dir auf der Zunge liegt

und nur mehr ein letzter Herzschlag fehlt um es zu sagen.

Du spürst wie sich dein Atem, deine Lippen, dein Herz bereitmachen es rauszuschießen aus dir,

damit es nicht länger als Gespenst durch deine Gedanken geistert.

Er steht vor dir wie ein Riese vor einem Zwerg,

der Augenblick.

Riesig und unausweichlich

und du weißt du musst es jetzt tun

jetzt sagen,

jetzt.

Der kleine Zwerg Mut macht einen Schritt auf Riese Augenblick zu.

Es wird ganz schnell gehen denkst du dir.

Nur einmal einatmen, nur ein Atemzug, nur ein Satz,

während die Luft mit deinen Worten deine Lungen wieder verlässt.

Du kannst das, denkst du dir,

tut nicht weh denkt der kleine Zwerg und macht noch einen winzigen Schritt auf den Riesen zu.

Du spürst, es will raus aus dir,

es muss raus aus dir.

Da bemerkst du den Schatten, den der Riese von sich gibt

und erkennst die Angst.

Der Mut erkennt die Angst, die immer größer wird,

den Schatten, der wie im Licht der untergehenden Sonne immer länger wird

bis er dich schließlich verschluckt.

Er erreicht dich und überflutet dich mit Angst und Zweifeln

und dann ist die Sonne weg

und du kannst nichts mehr sehen.

Alles ist ein einziger Schatten

und der Schatten erdrückt dich

und schiebt dir mit deinen abgehackten Atemzügen den Satz wieder zurück deine Kehle hinunter, sperrt ihn weg in deinen Kopf.

Der Augenblick ist weg

der Mut ist weg,

Du kannst es nicht sagen

und in deinem Kopf geistert der Schatten und flüstert leise ohrenbetäubend deine Worte.

"Ich liebe dich."

© Emma_Adlers