Endstation Florenz

Es war im Sommer 2017. Wir freuten uns schon auf die bevorstehende Reise in die Toskana - urlaubsreif, gestresst sehnten wir eine Auszeit herbei. Wir sahen Zypressenalleen vor uns, hörten das Blöken der Schafe und rochen förmlich die Heuballen auf den weiten, hügeligen Feldern. Nächtlich machten wir uns auf den Weg - Ramazzotti trällerte im Radio romantische Wörter und es ging zügig voran. Keine einzige Wolke trübte tagsüber den Himmel. Wie aus dem Nichts leuchtete es plötzlich im Auto wie zu Weihnachten am Christbaum - sämtliche Lämpchen blinkten. Wir waren kurz vor Florenz und fuhren bei nächster Gelegenheit von der Autobahn ab. Mittlerweile roch es nach Bremsen, Kupplung und wir schafften es gerade noch zum Parkplatz. Was nun? So hatten wir uns den Beginn der Reise nicht vorgestellt. Der Abschleppdienst brachte uns in die nächstgelegene Werkstatt und dort saßen wir dann - Stunde um Stunde verging. Irgendwann teilte man uns mit sie würden demnächst schließen und das Auto müsse hierbleiben. Somit bestellten wir uns ein Taxi zum Flughafen - in der stillen Hoffnung noch ein Leihauto zu bekommen - irgendwie mussten wir ja zu unserer abgelegenen Unterkunft kommen. Am Flughafen wurden wir nur ungläubig und mit großen Augen angesehen - no reservation??Letztlich bekamen wir doch noch ein Auto - unfassbar teuer, unfassbar klein - zumindest vier Räder - juppiiee - wenigstens mobil. Es war bereits Abend - die untergehende Sonne tauchte die Toskana in bezaubernde Farben. Wir allerdings sahen nichts davon - zu müde, hungrig und enttäuscht. Als wir die kleine Schotterstraße mit unserem Fiat 500 hochrumpelten, immer in Angst und Bange es könnte gleich der Kofferraum platzen, sahen wir endlich aus der Ferne unser Agriturismo am Hügel. Was war das?? Rauchschwaden dampften aus dem Boden, es roch verbrannt, unzählige Feuerwehrautos standen kreuz und quer und Feuerwehrmänner eilten emsig herum. Es brannte - zumindest bis vor kurzem hatte es gebrannt - die Felder um uns herum schwarz, verkohlt - das Feuer zumindest gebannt, das Bauernhaus verschont. Was für ein Start in den Urlaub - was würde noch kommen? Unsere Laune war am Tiefpunkt. Die Tür des Bauernhauses öffnete sich und die Gastgeber des Agriturismo begrüßten uns herzlich. Es war mittlerweile spät geworden - sowohl wir mit unserer Panne, als auch die Gastgeber, die beinahe ihr Haus verloren hätten, was natürlich viel schlimmer gewesen wäre - wir alle hatten einen furchtbaren Tag hinter uns. Unser Magen knurrte, die Müdigkeit war uns ins Gesicht geschrieben und wir wollten nur noch schlafen. Da wurde ein Tisch gedeckt, eine Flasche Wein gebracht, drei Gänge serviert - einfach so. Der schlimme Tag endete so herzlich, es wurde trotz allem noch ein schöner Urlaub. Unser Auto sahen wir erst Wochen später zu Hause wieder, das Leihauto wurde so richtig teuer. Aber wir fanden dort Freunde bis heute und mein Mann und ich wussten, wir funktionieren auch gut zusammen in schwierigen Zeiten.

© EmmiundLeo