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Honeymoon

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Honeymoon | story.one

Unser Flug ging nach Neapel und von dort ging es mit einem Bus weiter nach Sorrento. Die Hitze drückte während wir zur Mittagszeit auf unseren Anschluss nach Positano warten mussten. Als er endlich kam, schien der kleine Bus viel zu winzig für die Menge wartender Menschen und ihre Koffer. Wie durch Zauberhand wurde dennoch alles und jeder in den Minibus reingequetscht. Ich ergatterte leider nur mehr einen Stehplatz und wer die Amalfitana kennt, der weiß wie kurvenreich die hübsche Straße ist. Somit baumelte ich in alle Richtungen und bereits nach kurzer Fahrt musste ich abwechselnd ein Bein in die Luft heben, da der Boden des Busses plötzlich heiß war - die Bremsen? Also zappelte ich während der Fahrt ständig herum. Als wir endlich unsere Haltestelle erreicht hatten, hieß es noch die Koffer treppauf, treppab zu schleppen. Der Schweiß rann in Rinnsalen, wir fühlten uns einem Hitzekollaps nahe. Flitterwochen sollten sich eigentlich anders anfühlen. Aber dann standen wir vor unserem entzückenden Hotel. Der Blick von oben über den Golf von Salerno war grandios, das Meer tiefblau, überall hingen Zitronen und Orangen, die pastellfarbenen Häuser schmiegten sich an die Hänge. Eigentlich wollten wir gleich zum Strand, die Füße in den Sand stecken - nur trennten uns davon noch 564 Stufen. Nach unten ja überhaupt kein Problem, nur Stunden später - bei noch immer 40° und einer Pizza quattro formaggi im Bauch -dann schon etwas schwieriger. Mein Mann rollte sich anschließend im Bett von einer Seite auf die andere wie ein Mops, um den Käse ein wenig zu verteilen. Essen Italiener am Abend überhaupt Pizza? Die nächsten Tage haben wir uns jedenfalls auf leichtere Köstlichkeiten konzentriert. Salvatore war Barista und zauberte uns jeden Morgen mit Hingabe den besten Kaffee den wir jemals getrunken haben. Er war unser persönlicher Anreiz uns später selbst genauer mit Kaffee zu beschäftigen und seine Zubereitung als besonderes Ritual zu sehen. Auch jetzt noch, Jahre später - wenn frühmorgens am Sonntag frischer Kaffeeduft durch die Wohnung weht - am liebsten schokoladig und erdig -erinnern wir uns noch oft an Salvatore, unseren Kaffeemann. Wir machten einen Ausflug in das bezaubernde Amalfi. Dort verbrachten wir einen redseligen Nachmittag an der Piazza mit einem herzigen Ehepaar aus San Francisco. Wir lernten sie zufällig im Cafe kennen, kamen ins Gespräch und unterhielten uns stundenlang. Sie verbrachten ebenso ihre Flitterwochen vor über 20 Jahren hier und jetzt wollten sie die besonderen Orte erneut aufsuchen, in Erinnerungen wandeln. Ein schöner Gedanke. Auch wir haben uns fest vorgenommen zurückzukehren. Hierher an dieses wundervolle Stück Himmel auf Erden. Die Tomaten schmecken süsser, das Basilikum intensiver, der Octopussalat grandios, das Tiramisu himmlisch. Wir brachten auch ein Andenken mit - drei Kilo mehr auf der Waage - die halten sich bis heute hartnäckig, aber jedes Einzelne war diese kulinarische Reise wert.

© EmmiundLeo 17.12.2019

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