Goldglänzend aus der Asche

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Als ich heute morgen in den Garten ging, hörte ich nur Stille, sogar unser Amselpärchen streifte leise durch das, in den Startlöchern liegende, Gemüsebeet. Unser Rotkelchen flog zum Vogelhaus, sah hinein und kam empört zur Terrasse, wohl um zu sagen, dass gähnende Leere in der Schüssel ist.

Plötzlich strömten ganz viele Gedanken auf mich ein und spontan ging ich in den Keller und machte mich auf die Suche nach einer Schachtel, die irgendwo mit anderen Schachteln darauf wartete, wieder einmal geöffnet zu werden.

Aha … da sind Acrylfarben und Pinseln drin … was ist da drin? … ach nein, meine alten Eislaufschuhe … Spielzeug, Stofftiere, Klebebänder, große Briefkuverts, … endlich … und da liegen sie bunt und fröhlich vor mir - meine selbst gefalteten Kraniche - das Titelbild zeigt einen Blick in meine Schachtel - Ich nahm einen Origamikranich in die Hand und reiste in die Vergangenheit.

Ich war selten krank, doch einmal hat es mich erwischt, weil ich immer tausend Dinge gleichzeitig machen wollte, aber mein Körper ließ sich das nicht mehr gefallen und zwang mich mit aller Kraft zur Ruhe - ich schlief, las, schlief, las schlief … und dann bekam ich zum Trost Origamipapier geschenkt. Das farbenfröhliche, bunt schillernde Papier heiterte mich auf. Ich suchte im Internet nach einer geeigneten Faltanleitung und fand, unter anderem, Legenden über den Kranich - Ein Kranich kann sehr alt werden und er ist ein Vogel des Glücks, Symbol der Gelehrtheit, der Aufmerksamkeit und in Japan, Sinnbild für Frieden und langes Leben … wer tausend Kraniche faltet, bekommt einen Wunsch erfüllt und wenn man einen gefalteten Kranich verschenkt, schenkt man dem anderen Glück.

Das gefiel mir und ich begann emsig einen nach dem anderen zu falten - tausend habe ich nicht geschafft - meine Krankheit besserte sich zu meinem Glück - doch ich bastelte damals Mobile aus den vielen Kranichen und verschenkte sie. 

Als ich ganz gesund war, verteilte ich noch eine Weile einzelne Kraniche und den Rest gab ich in die große Schachtel, die nun vor mir steht.

Ich kann jetzt niemanden einen Kranich real schenken, doch ich dachte, ich verteile sie einfach an alle da draußen imaginär … denn … als die vielen Gedanken in der Früh auf mich einstürmten, hatte ich plötzlich die Vision, dass sich die Welt einfach nur erneuert und zuversichtlich sah ich, dass sie wie der Phönix - ein anderer mythologischer Vogel -

goldglänzend aus der Asche neu geboren werden wird …

© Engelfeder