Gewitter

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Gewitter | story.one

In den Sommerferien, waren wir oft bei den Großeltern, im Innviertel OÖ. Bei gut geführter Landwirtschaft, wussten drei Generationen, wo sie anpacken mussten. Wenn Großmutter, eine starke Frau mit viel Hausverstand, Butter machte, sah ich gerne zu. Das Stück vom selbst gebackenen Brot, mit Butter, war das Schmackhafteste für mich! Die Erinnerung ist stark, ich kann es heute noch im Mund spüren.

Der Dank für täglich Brot, wurde mittags im Gebet, ausgesprochen. Wenn Großvater die Stosuppe aß, laut schlürfte, konnte mir ein bissl der Appetit vergehen. Abends saß er auf der Bank vor dem Haus, rauchte genüsslich seine Virginia oder Pfeife. Fast jeden Zug, begleitete er mit einem kleinen Geräusch, man hörte Zufriedenheit heraus.

Zur Erntezeit waren alle Hände wichtig, Großvater stellte fest, ich könnte helfen. Vielleicht war ich zwölf, jedenfalls durfte ich mit dem Traktor fahren, ein kleines Stück nach vor, bis alles aufgeladen war. Der Hände Arbeit war es, was die Menschen damals am Hof und andere, ernährte. Vielleicht war es das Gemeinsame, ich mit eingebunden, was mir große Freude an Arbeit, für mein Leben mitgab?

Die Großeltern mit naher Erinnerung an Krieg, sie sprachen nie darüber. Vier Söhne kamen nicht mehr zurück, wie schafft das eine Mutter? Es blieben vier Töchter und eine plötzlich verwaiste Nichte, die sie wie eine Tochter, zu sich nahmen. Woher nimmt ein Mensch die Kraft?

Einzig eine Tante, sie bekam nie Kinder, erzählte von Nachkriegszeiten. Als Menschen vom Osten Österreichs, in den Westen kamen, die Angst vor russischer Besatzung, Hunger war ihr Begleiter. Mit Pferd und Leiterwagen, mit Habseligkeiten und kleinen Kindern. Von der Frau aus dem Banat (Siebenbürgen), die sie auf ihrem Hof aufnahm, eine kleine Frau mit großer Herzensgüte und schwarzem Kopftuch.

Ich sah, wie demütig Menschen sind, deren Existenz von Naturgewalten abhängig ist. An einem Sommertag, dunkle bedrohliche Wolken, böiger Wind kam auf, Sturm. Blitze erhellten die Atmosphäre, Donnergrollen, schweres Unwetter bahnte sich an, starker Regen fiel, so gegen Abend. Schnell ins Haus! Ich, ein Kind, merkte dass Großeltern, Tante, Onkel, Cousins und meine Mutter, schweigend nach oben in die Schlafräume liefen, hörte sie rumoren.

Es dauerte nicht lange, sie kamen runter, mit vollen Koffern. Stellten diese in die große Stube, begannen zu beten. Es verstärkte die Angst, ich wagte nicht zu fragen. Das Gewitter hatte volle Stärke erreicht, es blitzte taghell, Donner krachte, Naturgewalten tobten! Der Mensch, ganz klein. Nur langsam beruhigte es sich, man konnte aufatmen.

Sie hatten Sorge um das Haus und Ernte. Dachten sie auch an Tage, als sie anderes Unheil grollen hörten? Notwendiges Hab und Gut war so schnell eingepackt. Kürzlich las ich im Stammbuch aus Kindheitstagen, Standardfloskeln, doch hier- das war Großvater! „Wenn du später diese Zeilen liest, wo es uns nicht mehr gibt, wirst du daran denken, wie gut wir waren, in all den Tagen.“

© ERFAlina