Feuer im Eiskeller

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Feuer im Eiskeller | story.one

In Jois am Klausenberg gab es viele Wildkaninchen, die nach dem Krieg eine willkommene Aufbesserung der kargen Verpflegung gewesen wären. Dazu hätte man aber ein Jagdgewehr gebraucht, um sie zu erlegen. Wir Buben vermuteten, dass vielleicht Bauern ihr Jagdgewehr beim Einmarsch der Russen in einem aufgelassenen Eiskeller versteckt haben könnten.

Da man damals ja keine Kühlanlagen hatte, wurden zur Kühlung von Fleisch teils unter der Erde Eiskeller angelegt. Ein solcher war 5 x 5 m groß, etwa 4 m tief und bestand aus einem Vorraum und einem Eisraum. Im Winter wurden von Teichen Eisblöcke heraus geschnitten und im Keller eingelagert. Diese schmolzen zwar langsam ab, reichten aber bis zum nächsten Winter. Ein Eiskeller in unserer Nähe war schon seit Jahren aufgelassen, darin befand sich allerlei Gerümpel und wäre ein gutes Versteck für ein Gewehr gewesen, also beschlossen wir, nachzuschauen.

Nachdem es im Keller finster war, bereiteten wir Fackeln vor. Wir flochten trockenes Gras zu Zöpfen und ich kletterte damit die unverputzte Steinmauer hinunter und begann, im Gerümpel zu suchen. Ich fand nur eine Menge Maschinengewehrmunition. Die Grasfackeln waren bald verbrannt und ich stand im Dunkeln. Meine Freunde holten neuerlich dürres Gras, drehten es ein wenig zusammen, zündeten es an und warfen es hinunter. Das fiel aber auf einen Reisighaufen, der zu brennen begann. So hatte ich wieder Licht, stöberte noch ein Zeit herum, und begann dann das Feuer auszutreten, was mir großteils gelang. Die Rauchentwicklung war so groß, dass ich es notwendig hielt, sofort hinauf zu klettern. Ich war schon ziemlich nervös, rutschte auf den sandigen Steinen aus und fiel wieder hinunter. Ein zweiter Versuch misslang ebenfalls, meine Hände zitterten schon.

Ich rief meinen Freunden zu, möglichst schnell vom nahen Bauernhaus einen Strick zu holen. Zum Glück kam über den Boden des Vorraums frische Luft in den Eisraum, der Rauch zog nach oben ab, so dass ich wenigstens neben der Mauer noch Frischluft hatte . Als meine Freunde weg waren, begann mein Hund Lumpi jämmerlich zu winseln und sprang zu mir hinunter. Nun war auch er in Gefahr. Endlich kamen die Freunde zurück, sie hatten vom nahen Weingarten einen längeren Draht abmontiert und ließen mir das eine Ende herunter. Ich band ihn Lumpi um die Brust, hielt ihn, so hoch ich konnte und die Buben zogen am Draht. Lumpi half mit, indem er an der Mauer hoch krabbelte und war gerettet. Nun band ich mir den Draht um die Brust, kletterte ebenfalls an der Mauer hoch, während die Freunde so stark als möglich am Draht zogen. Es war höchste Zeit, das Feuer hat sich weiter ausgebreitet. Wir liefen auf den Klausenberg und beobachteten von dort die aufsteigende Rauchsäule. Nun hat das Feuer die Maschinengewehrmunition erreicht, die unter heftigsten Geknatter explodierte.

Das ganze Unternehmen hätte tragisch ausgehen können, aber nun war für mich, für Lumpi und auch für die Wildkaninchen das Überleben gesichert.

© Erwin Barilich