Andere Kultur - Anderes Leben (Tanzania)

Das Leben spielt sich draußen ab. Man sitzt vor dem Haus zusammen und plaudert. In den Städten sitzen die Schneider mit ihren Nähemaschinen vor dem Geschäft, die Schuster präparieren oder putzen die Schuhe am Straßenrand und Maniküre/Pediküre bekommt man auch am Gehsteig.

Auch das Sozialverhalten der Menschen hier ist ganz anders, man merkt es meist an Kleinigkeiten, wenn sie sich wo anstellen zb bei einer Essensausgabe, stellen sie sich sehr dicht aneinander, sie lassen keinen Zentimer frei. Verheiratete Paare kann man in der Öffentlichkeit nie Händchen halten, geschweigeden sich küssen, sehen. Man sieht eher gleichgeschlechtliche Paare die sich an den Händen halten, aber aus ganz anderen Motiven als in Europa, es ist rein freundschaftlich. Sie sind es gewöhnt dicht an dicht im viel zu kleinen Bus eine Stunde von der Stadt ins Dorf zu fahren, sich beim Aussteigen am Knie des nächsten Mitfahrers festzuhalten, am Markt fragt man den Verkäufer wie es ihn geht und handelt den Preis aus.

Am Land hat jeder ein paar Tiere oder Pflanzen. Auch in der Stadt haben viele Menschen zumindest Hühner. Meist werden Landflächen aufgeteilt und an die Kinder weitergegeben. Hier gibt es keine Massenproduktion. Außer der Fabrik in Dar, in der wahrscheinlich Butter, Brot und Hygieneartikel hergestellt werden. Frisches Obst und Gemüse bekommt man auf dem Markt: Mango, Bananen (gelb und grün), Avocado, Ananas, Kokosnuss, Wassermelone, Orangen, Erbsen, Tomaten, Karotten, Paprika, Gurken, Kartoffel und so manch andere Dinge die mir fremd sind/waren. Brot, Kekse, Wasser oder Butter bekommt man bei kleinen Shops. Die mich an Läden erinnern, die es wahrscheinlich vor 80 Jahren in Österreich auch gab. Draußen vor einem Gitter sagt man dem Verkäufer was man haben möchte. Kleidung kauft man auch auf der Straße, gebrauchtes liegt am Boden und neues ist aufgehängt oder auf Tischen.

Eine Bekannte aus Österreich, erzählt mir, dass die gebrauchte Kleidung das ist was wir in unsere Carritas Container werfen. Zuerst glaubte ich ihr nicht. Doch dann als ich bei Schuhen die deutschen Grüßen eingprägt sah und schließlich auch ein FC Bayern München Shirt war es klar für mich. Hier wird Kleidung von Europa importiert und billig verkauft. Schon irgendwie ein komisches Gefühl zu wissen, dass das was ich trage möglicherweiße aus meiner Heimat stammen könnte.

Einen “normalen” Supermarkt gibt es in Moshi und einen sehr kleinen in Marangu.

Metzger gibt es auch an jedem Eck. Oft aber schlachten die Leute ihre Tiere selbst und breiten sie zu. Das ist das was mir hier so gefällt. Keine Massenproduktion, keine Massentierhaltung, keine ungesunden Fertigprodukte, alles frisch. Und meist vom eigenen Anbau.

So etwas kann ich mir für Österreich gar nicht vorstellen. Die Leute wären viel zu faul, um sich die Zeit zu nehmen ein bisschen mehr selbst anzubauen oder keine billiges Fleisch aus Massentierhaltung zu kaufen.

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