Von Banalitäten am Morgen und Autismus

Ich bin wegen Magenschmerzen krank. Die Sache mit meinem Magen plagt mich schon seit 2016/2017. Jedoch vermisse ich meine Arbeit, allerdings geht Gesundheit vor. Ich versuche, meine Gedanken und Gefühle zu sortieren. Denn mit Autismus erlebt man so viel, dass mündliche Gespräche nicht ausreichen, um das Mitteilungsbedürfnis zu stillen.

Heute möchte ich sagen: Die Morgenstunden haben viele goldene Momente. Ich bin zwar jemand, der Redewendungen und Sprichwörter sehr selten benutzt, aber in dieser Binsenweisheit steckt mehr Wahrheit drin als man glaubt.

Ich sehe vom Fenster aus, wie es draußen bewölkt ist. Nur wenige Sonnenstrahlen kommen durch. Gerade merke ich, dass mein Erinnerungsvermögen versagt, wenn es um gesellige Situationen geht. Das ist wohl der Grund, warum meine kurzen Memoiren banal klingen. Ich frage mich deshalb, ob das schlimm ist. Schließlich wollen die Menschen nur handfesten Stoff, auch bei Autobiografien und Memoiren.

Ich muss betonen, dass ich in geselligen Situationen mich äußerst ungeschickt verhalte. Das hängt mit meinem autistischen Verhalten zusammen. Zum Beispiel sage ich Dinge, die meiner Meinung nach höflich klingen, aber meine Mitmenschen aufregen.

Zudem hatte ich gelegentlich Ohnmachtsanfälle, wenn zu viele Menschen im Raum sich aufhielten. Bei der betrieblichen Weihnachtsfeier im Jahre 2018 musste ich öfter die Flucht ergreifen, damit ich in den Menschenmengen nicht ohnmächtig wurde.

Kurz gesagt: Mein Leben mit Autismus hängt am schmalen Grat zwischen Banalitäten und Abenteuern.

© Esra Kurt