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#abstand

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#abstand | story.one

Ich brauche jetzt pro Woche nur noch ein Paar Socken. Daheim gehe ich barfuß und nur für den täglichen Spaziergang muss ich nicht ständig wechseln. Extrem unspannend, ich weiß, aber doch eine neue Erkenntnis.

Woche 3 also. Die war fleischlos. Weil die Teenager schon seit Jänner kein Fleisch mehr essen und ich deshalb keins mehr kaufe. Wenn ich schon koche, dann sollen alle was davon haben, weil wir ja gemeinsam beim Essen sitzen.

Obwohl es hier ganz viele schöne Momente gibt, vermisse ich meinen Stress, meinen ganz normalen Wahnsinn zwischen Kindern, Wohnung, Arbeit, Uni, Deutschunterricht, Sprachkurs, Schwimmtraining ... Diese unzähligen, manchmal überlappenden Termine, die meinen Kalender so bunt mach(t)en und mir so viel Energie geben. Hach!

Am Freitag hatte die Siebenjährige die erste Online-Konferenz mit ihrer Klasse. Sie hat dafür ein schönes T-Shirt ausgewählt (unten - weil ja egal - die Pyjamahose angelassen), sich die Haare frisiert und extra die Zähne geputzt. Sie wollte das virtuelle Treffen auf der Couch abhalten und legte sich den Laptop mit einem Polster darunter auf die Oberschenkel. Ich habe ihr die Kopfhörer aufgesetzt und sie instruiert, was zu tun ist, wenn sie sprechen möchte. Es war faszinierend, sie während dieses Online-Treffens zu beobachten. Aber noch viel mehr war es traurig, mir tat das Herz weh. Zwölf Kinder waren "anwesend" und die Lehrerin. Für eine Stunde haben sie sich ausgetauscht.

Das Lernpaket von der Schule haben wir in den letzten drei Wochen nicht geschafft. Ist uns zum Glück beiden egal. Wir haben keine Lust, uns mehr als zwei Stunden pro Tag hinzusetzen. Aber wir arbeiten am Wochenende und in den Ferien durch, weil wir ohnehin sonst nichts Besonderes vorhaben.

Vor ein paar Tagen habe ich eine Lern-App auf dem Tablet installiert. Ich war mir fast sicher, dass meine Privatschülerin sie ablehnen wird. Da habe ich mich gewaltig getäuscht! Sie fragt mehrmals am Tag, ob sie mit "Anton" spielen darf. Weil sie dort für erledigte Aufgaben Münzen bekommt, mit denen sie dann Mini-Spiele durchführen kann. Gestern saß sie eine Stunde über dem Abschnitt "Zupf- und Streichinstrumente" und hat die Übungen sooft wiederholt, bis sie alle Punkte zusammen hatte. Ich bin immer noch erstaunt, dass sie mit Bildern von Münzen zu motivieren ist.

Jeden einzelnen Tag bin ich froh, dass wir gleich in der Nähe einen Park und einen Wald haben. So oft wie in den letzten drei Wochen waren wir noch nie dort. Heute Vormittag haben wir die zweite Schulstunde dorthin verlegt. Die Aufgabe war, eine Meise zu finden, was uns auch geglückt ist. Ein Rotkehlchen hat mein Mädel dann auch noch entdeckt.

Und natürlich lagen wieder jede Menge imaginäre Monster auf der Lauer, die meine unerschrockene Begleiterin mit ihrem großen Stock und ebensolchem Mut bekämpfte. Von denen müssen wir wenigstens keinen Abstand halten.

© Eva Daspelgruber 05.04.2020

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