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#kribbeln

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Heute ist es soweit: Story.slam-Zeit!

Die Woche war mit dem Semesterbeginn an zwei Unis und vielen anderen Terminen ziemlich anstregend gewesen. Am Vormittag habe ich noch mit einem Schüler Deutsch gelernt und wurde von böser Migräne überfallen. Aber nach einer Tablette und einer Mütze voll Schlaf zur Mittagszeit fühle ich mich zum Glück wieder ganz wunderbar.

Die Geschichte habe ich in meiner Tasche mit. Vor einer Stunde noch ausgedruckt und mir selbst ein paar Mal vorgelesen, mache ich mich auf den Weg zum Bus. Ich habe heute Heimvorteil, weil die Location nur eine fünfzehnminütige Busfahrt von meiner Wohnung entfernt liegt.

Ich erinnere mich, als ich das letzte Mal vor vielen Leuten gelesen habe. Es ist schon ein paar Jahre her. Da war ich bei einer Hochzeit eingeladen. Das Brautpaar kannte ich nur von einem gemeinsamen Treffen vorher. Am Tag der Trauung baten sie mich überraschend, in der Kirche einen Text zu lesen. Das war mir eine große Ehre und ich meisterte diese Aufgabe mit der nötigen Demut.

Keine Minute zu Früh treffe ich in der Buchhandlung ein und blicke mich nach bekannten Gesichtern um - zwei finde ich gleich. Gemeinsam geht's zur kurzen Vorbesprechung. Alles sehr entspannt, Martin strahlt große Gelassenheit aus, die sich bei mir in einem Gefühl des "Gut-Aufgehoben-Seins" niederschlägt. Er ist ein Profi, das ist offensichtlich.

Ich versuche großteils erfolglos, die vielen Gesichter den gelesenen Geschichten zuzuordnen und gehe in der Gruppe zurück zum Ort des Geschehens, an dem sich die Reihen schon gefüllt haben. Den Start verpasse ich, weil ich gemeinsam mit einer anderen Autorin noch das stille Örtchen aufsuche.

Einen Platz gefunden, höre ich den Menschen zu, die mutig am Mikro stehen und ihre Geschichten vortragen. Manche Erzählungen kenne ich schon, aber sie klingen anders, persönlicher, wenn sie von der Autorin oder dem Autor selbst erzählt werden.

Dann bittet Martin mich nach vorne und ich beginne zu lesen. Ich finde den ausgewählten Text eigentlich eher langweilig gegenüber den anderen Geschichten, aber es gibt kaum ein passenderen Ort als diesen, um von meiner Liebe zu Büchern zu erzählen.

Da ich weiß, dass ich ganz gut vorlesen kann, bin ich anfangs auch nicht aufgeregt. Doch nach ein paar Zeilen sehe ich von meinem Blatt Papier auf und blicke ins Publikum. Ich war zuvor ziemlich weit vorne gesessen und hatte nur die wenigen Reihen vor mir gesehen. Erst jetzt bemerke ich, wie viele Leute tatsächlich hier sind. Wow!

Da passiert es: Ich werde nervös! Auf meinen Wangen spüre ich ein leichtes Kribbeln und dann beginnen auch noch meine Beine zu zittern. Das kann ich jetzt gar nicht brauchen. Ich lese weiter. An einer Textstelle geht ein Kichern durchs Publikum. Da ist es vorbei mit der Nervosität und ich entspanne mich wieder und lese mit innerlicher Ruhe weiter. Der Applaus am Ende tut gut!

Dass ich jetzt auch noch ein kleines Büchlein habe, in dem meine Geschichte abgedruckt ist, freut mich besonders. Danke!

© Eva Daspelgruber 08.03.2020

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